Fremde Küchen, Lateinamerika
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Bogotá in Häppchen – Schlemmen in der Zona G

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Irgendwie hatte ich mehr erwartet. Das erste Mal in Kolumbien. Hauptstadt. Metropole eines Landes im Aufwind. Kombination aus Moderne und Tradition. Salsa tanzende Kolumbianerinnen am Bürgersteig, freundlich lächelnde Menschen, die mir frische Früchte in den Mund legen. Gute Geschäfte obendrein… Nun ja, hatte mich etwas verschätzt…

Zu Bogotás Verteidigung darf ich gleich anmerken, daß ich mich schlecht vorbereitet hatte. Zumindest was den touristischen Teil angeht. Bin schließlich auf Geschäftsreise. Ich hätte wissen können, daß Bogotá auf deutlich über 2000 Meter liegt und es im Herbst kalt ist. Auch fließen in Bogotá weder Milch noch Kaffee – eigentlich fließt dort gar nix – und der nächste Strand mit nahtlos braunen Schönheiten ist auch weit weg. Was es in dieser Stadt allerdings ausreichend gibt, ist Verkehr. Vorzugsweise Stehender, alternativ Stockender. Für Freunde des gepflegten Staus ein wahres Mekka. Wer allerdings nicht den ganzen Tag in einem schmierigen Hyundai Taxi sitzen möchte, der sollte die Region weiträumig umfliegen. Oder – noch besser – sich in einem Hotel in der Zona G einmieten und jeden Tag ein neues Restaurant ausprobieren.

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Zona G

Bei der Zona G handelt es sich um die Zona Gastronómica. Für die Fremdsprachleghasteniker unter den Lesern: daß ist ein Stadtteil, der sich der Gastronomie verschrieben hat. Und dieser entschädigt für so manche im Stau erlittene Pein. Die Eckdaten:  besagte Zone befindet sich zwischen der Calle 71 sowie der Calle 68, begrenzt von Hügeln auf der einen Seite und Stau in der Carrera 7 auf der anderen.

Dies noch am Rande: trotz des schier unerschöpflichen Reservoirs an kolumbianischen Dichtern, Denkern, Revolutionären, Märtyrern und Tänzerinnen konnten sich die Stadtväter nicht auf Straßennamen einigen. Daher wurden die Gassen einfach durchnummeriert. Von Nord nach Süd laufen die „Carreras“, von Ost nach West die „Calles“. Und dann gibt es noch die Avenida Carreras sowie Avenida Calles, die sich durch einen etwas breiteren Stau auszeichnen. Soweit so logisch. Wenn man jetzt aber Carrera und Calle verwechselt, landet man einen Tag später am anderen Ende der Stadt. Also Vorsicht.

Ceviche im Astrid y Gaston

Ceviche im Astrid y Gaston

Wer das weiß und es sicher in die Zona G schafft, wird angenehm überrascht sein. Im ehemals englischem Viertel sieht man sich ansprechenden Backsteinhäusern gegenüber, alles very British, und hinter dem Backstein nette Lokale. Und zwar für jeden Geschmack. Typisch kolumbianisch haben wir nicht gefunden, dafür aber dürften Liebhaber von Steakhäusern, Japanern, französischen Bistrots, Pizza & Pasta oder gehobener Alle-Welt-Küche auf ihre Kosten kommen. Mit allem hätte ich gerechnet, nur nicht damit.

Noch weniger mit der von uns gewählten Speisefolge im Criterion (Calle 69a Ecke Carrera 6). Die Gebrüder Rausch – zwei kolumbianische Starköche mit nicht weniger als sieben Restaurants, Fernsehschau und natürlich Kochbüchern – bieten in dem französisch angehauchten Laden tatsächlich auch Käsefondue an. Da ich mit einem in Brasilien lebenden Schweizer auf Fondueentzug  unterwegs bin, wird das selbstredend geordert. Vorweg eine Platte Pata Negra (bester iberischer Schinken), der schon im Heimatland durchaus auf den Gelbeutel schlägt. Aber was soll´s. Danach Ribeyesteak und nix geht mehr. Dem Dessert am Nebentisch konnten wir leider nur noch zusehen, wird direkt am Platz angerichtet. Nachdem der Kellner eine Plastikfolie auf dem Tisch entfaltet, kommen darauf diverse Sorten Eis, Petit Fours, Crémes, Küchlein und Törtchen, Schäumchen und Sößchen, daß es eine wahre Freude ist. Wir haben gerade noch Platz für einen Grappa und nehmen uns vor, den Rest der Woche lateinamerikanisch zu dinieren.

Astrid y Gastón oder Osaka Sushi, das ist hier die Frage…

Auch in der Zona G, um genau zu sein Carrera 7/Calle 68, befindet sich ein Ableger meines Lieblingsperuaners von Astrid y Gaston . Ich hatte es an dieser Stelle schon mal erwähnt. In Kürze werde ich die Mutter aller Astrid y Gastons in Lima heimsuchen und ausführlicher berichten. Hier nur soviel: das Cochinillo Pekín in Bogotá, ein mit Hoi-Sin aromatisierter Taco mit allerknusprigstem Spanferkel, eingelegtem Rettich und Erdnusssoße ist der Hit des Abends. Immer perfekt das Ceviche mit Leche de Tigre, einer Marinade aus frischem Limettensaft, roter Zwiebel, Chilli und Koriander. Hier kann man nicht schlecht essen, der Service dezent und sehr aufmerksam, die Weinauswahl vorzüglich. Aber….

Fisch a lá Peruana im Astrid y Gastón

Fisch a lá Peruana im Astrid y Gastón

Einen Tag später durfte ich feststellen, daß es noch besser geht. Schwer zu überbieten ist das Osaka Sushi in der Zona T in Bogotá. Wie der Name schon sagt, etwas Sushi-lastig, aber auch mit stark peruanischen Einschlag. Da dieses Etablissement einen eigenen Artikel verdient und ich auch verraten möchte, wo man tatsächlich kolumbianisch Essen kann (Achtung: nix für Veganer) und danach Salsa tanzen, kommt ein zweites Bogotá Häppchen in Kürze.

Museo de Oro

Und bevor mich jetzt alle für einen verfressenen Ignoranten halten: ja, ich habe mir auch das Museo de Oro, das berühmte Goldmuseum, in der kolumbianischen Hauptstadt angesehen. Die Spanier haben von den Indios nicht nur reichlich gestohlen, sondern auch etwas übrig gelassen. Ein Teil, der nicht eingeschmolzen in überladenen Barockkirchen auf der iberischen Halbinsel zu sehen ist, findet sich in diesem spektakulären Museum im wenig spektakulären Zentrum Bogotás. Beeindruckend die güldenen Masken und der Schmuck, ebenso wie die Gerätschaften zum Konsum unterschiedlichster Drogen. Unbedingt ansehen. Auch zu empfehlen die kleine Kaffeebar im Souterrain des Museums. Sie bietet neben den üblichen Espresso- wie Latte Versionen auch Cold Brew (also kalten Kaffee), Filterkaffee und anderes. Den Namen der Rösterei habe ich leider vergessen, allzuschnell waren die heimgebrachten Päckchen ausgetrunken. Unbedingt mitnehmen…

Goldmuseum in Bogotá

Goldmuseum in Bogotá

 

2 Kommentare

  1. Ja, so geht’s manchmal mit Städten und den Vorurteilen, die man so hat… Ich war mal an der Karibikküste Kolumbiens, in Cartagena, das wäre was für Dich! Die Zona G wäre dann auch meine Flucht gewesen, das klingt doch interessant! Super, das merke ich, wenn ich je mal hin komme.

    • Eddy Harteneck sagt

      Von Cartagena habe ich auch schon Gutes gehört…komme ich leider nicht hin, da Geschäftszentrum dummerweise Bogotá ist. Zu große Erwartungen hatte ich auch an Santiago de Chile, allerdings die Stadt nach mehreren Besuchen sehr schätzen gelernt. In Bogotá ist neben der Zona G ist auch die Zona T (für Trendy) zu empfehlen, kommt dann mit dem nächsten Häppchen

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