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Angebissen: Bayleaf Köln – Bar-Food, wat´n dat ?

Fischgericht

Ich bin mir nicht sicher, ob sich dieser Trend durchsetzen wird. Aber interessant ist er allemal: Bar-Food. Mit anderen Worten, nicht nur salzige Erdnüsse oder Edelchips, sondern richtig feines Essen zum feinen Trinken. Gerne auch mit Foodpairing, also auf das Essen abgestimmte Getränke.

Gelesen hatte ich davon in einer von mir gelegentlich konsultierten Zeitschrift für den verwöhnten Gaumen. Drei Vertreter dieses Konzeps wurden dort vorgestell, zwei davon in Berlin – wo auch sonst – und einer in Köln. Wie es der Zufall so wollte, verschlägt mich eine Geschäftsreise kurz danach in diese angeblich so schöne Stadt. Was liegt da näher, als einen Tisch im Bayleaf zu reservieren. Schlimmer als Halver Hahn (Käsebrötchen) zu labbrigem Kölsch kann´s nicht werden.

Bayleaf Köln

Das Bayleaf (zu Deutsch: Lorbeerblatt) befindet sich im schmucken Zollhafen von Köln und ist sozusagen der Kranz, den sich Daniel Gottschlich, Küchenchef des Ox & Klee aufgesetzt hat. Wer sich einen Besuch im Feinschmeckertempel mit schlappen 16 Gault-Millau Hauben nicht leisten will oder kann, der bekommt in der Bar im Parterre die Möglichkeit, Gottschlichs Küche zu testen. Zwar wird alles in der Bar angerichtet – und wer einen Platz am Tresen ergattert, kann bei der Arbeit zusehen – gekocht wird allerdings ein Stockwerk darüber im Ox & Klee. Das hebe ich mir für meinen nächsten Kölnbesuch auf, denn geschmeckt haben nicht nur die Cocktails (na ja, bis auf einen…).

Dom zu Köln
War so lecker, hab´ glatt vergessen zu fotografieren…

Die Bar selbst ist nicht besonders groß, Platz vielleicht für 10 kleine Tische (hab nicht nachgezählt) und bietet aus dem dunklen Raum einen Blick in den aufgemotzten Zollhafen zu Köln. Ein bisschen modern, ein paar alte Hafenkräne, Kopfsteinpflaster, der Rhein plätschert nicht weit weg vor sich hin. Edle Einrichtung in dunklen Tönen und eine offensichtlich erstklassig ausgestattete Bar. Mehrere Batterien Gin neben Rum, Whiskey, Vodka und anderen Seelenttröstern. Mein Wunsch nach einem peruanischen Pisco bleibt nicht unerhört und  Radeberger vom Fass gibt es ebenso wie Kölsch, aber wer will sich damit schon den Appetit verderben….

Bar-Food

Was ist nun das Neue an diesem Konzept ?  Daß es in einer guten Bar auch etwas zu Essen gibt, ist nun wirklich nicht revolutionär. Gut, um einen Trend auszurufen benötigt es letztendlich nur ein paar trendige Leute die das Neue durch alle zur Verfügung stehenden Kanäle ventilieren. So wird selbst Jägermeister wieder hip…. aber das ist ein anderes Thema.

Neu ist Essen am Tresen in der Tat nicht. Owohl eine gehobene Qualität in Bars  selten ist, fehlt es doch meistens an einer ausgewachsenen Küche. Das Interessante ist vielmehr das Foodpairing zu den Cocktails. Statt verschiedene Weine zu einzelnen Gerichten zu probieren, gibt es eben diverse Mixgetränke. Allerdings nicht eimerweise Caipirinha, sondern feinere Tropfen in kleineren Gemäßen.

Der umtriebige Barmann bemüht sich dementsprechend auch gleich, mir die Angst vor zu viel Alkohol nehmen. Die Coktails seien auf das Essen abgestimmt mit unterschiedlichem Alkoholgehalt und würden mich nicht umbringen. Ich bestelle trotzdem.

Einleuchtend ist es jedenfalls, daß ein Barkünstler sein Gebräu viel einfacher an die Speisen anpassen kann. Er muß nicht wie ein Sommelier erst überlegen, welche Traube welcher Region und von welchem Winzer am besten zum bestellten Chilli-Burger passt. Und Jahrgang sowie vor allem der Preis sollen dann auch noch stimmen. Eigentlich ein Scheiß-Job, wären die meisten Kunden nicht mit der nötigen Ignoranz oder fehlgeleiteten Papillen gesegnet, so daß der Auftritt oft wichtiger ist, als die richtige Flasche. (Exkurs: in einem Londoner Edelrestaurant hat es ein als Sommelier verkleideter Franzose tatsächlich geschafft, meinem damaligen Chef (Ami) einen sündteuren Wein mit Kork anzudrehen und der hat sich auch noch bedankt. Hab´ nichts gesagt, war schließlich eingeladen.)

Der Barkeeper hingegen greift zum passenden Grundalkohol, kann mit unzähligen Tinkturen Süße, Säure und Bitterkeit auf den Punkt abstimmen. Dann wird das Ganze noch zelebriert durch Schütteln, Seihen, Vorkühlen und ins passende Glas appliziert. Beim Maitre de Cocktails im Bayleaf kommt noch ein Kennernuscheln dazu, wenn er seine Kreationen vorträgt. Große Show also.

Aber ich schweife ab, was gab´s denn nun… ?

Das Foodpairing

Den Auftakt macht ein butterzarter Kabeljau mit Topinambur und Gurkennchutney. Leichte Schärfe von Pfeffer und Chilli, frische Gurken, samtiger Fisch alles sehr harmonisch. Dazu serviert der der Koloss hinterm Tresen einen Green Mary: Vodka mit grünem Tomatensaft abgestimmt, Agavensaft und Jalapenhos. Nicht zu scharf, leicht süß und passt wie die Faust auf´s Auge zum Essen.

Es geht weiter mit einem auf den ersten Blick schnöden Teller. Ei – Olive – Parmesan – Trüffel. Dazu ein Glas Red Red Wine, ein Madeira mit Absinth und Sternanis. Der Cocktail ist extrem lecker, leider in homöopathischer Portion serviert. Ich liebe Sherry und Madeira geht in die Richtung. Das Gewürz und der Absinth stören nicht, der Saft fließt leicht die Kehle hinunter. Auf Madeira zum Ei – cremig und auf niedriger Temperatur gegart – wäre ich nun wirklich nicht gekommen. Vielleicht werde ich das bei uns zum Frühstück einführen: weichgekochtes Ei und eine Flasche Oloroso-Sherry dazu.

Der Hauptgang kommt zum Cocktail Rote Zora. Eine Komposition aus Waldbeere, Paprika, Mescal und Jägermeister. Dazu gibt es asiatisch angehauchte Ochsenbrust mit Pak-Choi und Haselnuss. An beides habe ich beim Schreiben dieser Zeilen keine Erinnerungen mehr. Daß heißt es war handwerklich sicher gut aber nicht umwerfend.

Umgeworfen hat mich allerdings der letzte Cocktail. Nicht wegen des Alkoholgehalts, sondern wegen des penetranten Nußgeschmacks. Zu allem Überfluß wird die Mischung (Frangelico Julep) aus Frangelico (Haselnusslikör), Minze und Bourbon Whiskey mit massig Eisschrot in einem Kelch serviert, der mit einem Sieb bedeckt ist. Wenn man den nicht richtig hält, hat man die Kreation auf der Krawatte oder ein feuchtes Blüschen. Nun ja, bleibt in Erinnerung… Dazu ein ausgezeichnet frisches Basilikumsorbet mit Rhabarber, Knusperstreusel und Honigschmand. Super lecker, erfrischend säuerlich-süß. Meiner Meinung nach hätte ein weniger opulenter Cocktail hier besser gepasst, ein Pisco Sour mit Rhabarbersaft zum Beispiel. Oder ein Glühtee mit Rum ? Aber Haselnusslikör ?

Unterm Strich

Unter dem Strich eine ganz exzellente Erfahrung und ich würde sofort wieder hingehen. Ich werde sicher weiter Restaurants zum Essen bevorzugen und auch den Wein als Speisebegleiter nicht durch Cocktails ersetzen. Wenn das Essen aber so gut ist wie im Bayleaf, darf sich der Trend des gehobenen Bar-Food gerne durchsetzen. Macht auf jeden Fall Spaß und ist mal was anderes.

Arm wird man auch nicht, das Foodparing mit Cocktails hat ein Loch von EUR 54.– in die Geldbörse gerissen, davon EUR 35.- für das Vier-Gänge-Menü und weitere EUR 19.- für Getränke. Ich finde das eher günstig für das Gebotene. Wer Lust bekommen hat, kann sich hier ein Video der Bar ansehen, die zu hier finden ist:

Bayleaf

Im Zollhafen  18 /Kranhaus 1 (mittleres Kranhaus)/ 50678 Köln/ e-Post: info@bayleaf.cologne / Tel.: +49 221/16956601 (Reservierungen ab 16:00 Uhr)

Und zu guter Letzt noch die Links zu den Berliner Cocktailbars, die ein ähnliches Konzept fahren. Habe ich nicht getestet, Besuch auf eigene Gefahr.

Panama

Coda

Wohl bekomm´s !

Bier vom faß
und wenn das alles zu süss war…. ein gutes Kölsch und der Abend ist gerettet

 

16 comments on “Angebissen: Bayleaf Köln – Bar-Food, wat´n dat ?

  1. Das hört sich auf alle Fälle interessant an. Und 16 Gault-Millau Hauben sprechen eine deutliche Sprache. Leider liegt Köln bei uns nicht gerade um die Ecke, aber ich merke mir das vor, sollten wir in nächster Zeit mal dort hinkommen. Danke für den Tipp.

    • Eddy Harteneck

      Hallo Monika, ausgesprochen interessant. Wobei die 16 Hauben für das Hauptlokal sind und das Essen dort sicher noch um eine Länge besser… und teurer…leider…. LG, Eddy

  2. Oh wie lecker. Vor allem die Green Mary hört sich köstlich an. Den Preis finde ich für das was geboten wir, ehrlich gesagt auch nicht so wild.

    Liebe Grüße aus Peru,
    Michaela

    • Eddy Harteneck

      Hallo Michaela, die Green Mary war auch der leckerste von den vier Cocktails…viel Spaß noch in Peru und immer eine Flasche Pisco in der Nähe… Pisco Sour ist mein Lieblingscocktail, da kann keine Green oder sonstige Mary mithalten… LG, Eddy

  3. Hallo Eddy,
    zwei Dinge, die immer wieder super sind: 1. dass ich in der Nähe von Köln wohne und 2. dass du so tolle Artikel schreibst. Ich werde das auf jeden Fall auch einmal ausprobieren. Das hört sich wirklich spannnend an und nach einem guten Trend. Aber bitte mach nicht immer so geniale Fotos von dem ganzen Essen, da bekomme ich immer wahnsinns Appetit 😉
    Liebe Grüße,
    Kuno

    • Eddy Harteneck

      Moin Kuno, danke ! ich werde mir etwas mehr Mühe bei den Fotos geben, um Deinen Appetit nicht allzusehr anzuregen… 😉 LG, Eddy

  4. Lieber Eddy,

    mein Gott, ich als Kölnerin könne das Bayleaf nicht. Was ja nicht so schlimm wäre, wenn es irgendeine schnöde Lokalität wäre. Aber deinem Beitrag nach zu urteilen, kann man da ruhig schon mal hingehen und es sich gutgehen lassen. Ein paar Fotos hätten mich an der Stelle aber auch interessiert. Dennoch super geschrieben und ich baue den Laden bei meinem nächsten Kölnbesuch definitiv mit ein. 🙂 Vielen Dank für den Tipp!

    Viele liebe Grüße
    Kathi

    • Eddy Harteneck

      Liebe Kathi, das mit den Fotos ärgert mich auch… war – natürlich – abends da mit miesen Lichtverhältnissen in dem eher dunklen Schuppen und dann hab´ ich es wirklich verpennt, von zumindest einem Cocktail ein Bild zu schießen… dann kamen auch noch Freunde vorbei, zu den Cocktails kamen Bierchen, undsoweiter… gelobe Besserung 😉 Eddy

  5. Lieber Eddy,
    der Preis ist wirklich nicht übertrieben. Da hätte ich mehr erwartet.
    Ich finde viele Cocktails sehr lecker, aber bin oft nicht sehr experimentierfreudig. Aber wenn ich das so lese, sollte ich es vielleicht mal wagen 🙂
    Auf jeden Fall hast du es geschafft mit deinem Artikel Lust auf mehr zu verbreiten.
    Danke! Susanne

    • Eddy Harteneck

      Moin Susanne, freut mich… immer mal was Neues ausprobieren ! Allerdings gebe ich zu: wenn ich nicht gerade zu einem Cocktail Tasting verleitet werde, lande ich auch immer bei meinen Lieblingscocktails Pisco Sour oder Mojito… LG, Eddy

  6. Hallo Eddy,
    danke für den tollen Tipp. Das klingt wirklich spannend! Gutes Essen und gute Cocktails – und das für einen Preis, der wirklich okay klingt! Wie gut, dass ich gerade in Berlin bin 🙂 Da werde ich doch gleich mal die beiden Links checken…
    LG
    Katharina

    • Eddy Harteneck

      Hallo Katharina, solltest Du die angegebenen Berliner Bars besichtigen, lass mich gerne wissen, wie´s war… guten Durst, Eddy

  7. Hallo Eddy,
    ich mag solche Konzepte; und für den Preis ist das ja wirklich okay. In Italien finde ich die Kleinigkeiten, die zum Aperitivo gereicht werden, teils auch ganz spannend (okay, manchmal gibt’s nur Chips und Sandwich) und es ist eine eignetlich nahe liegende Idee, das auszuweiten. Ehrlich gesagt hauen mit Halver Hahn u.ä. auch nicht um und in Köln lande ich inzwischen meist in einer Pizzeria, früher in Steakbuden, Brauhaus nur mit guter Gesellschaft jede paar Jahre mal. Das merke ich mir für den nächsten Trip vor. Danke für den Tipp!
    Liebe Grüße
    Barbara

    • Eddy Harteneck

      Moin Barbara, wenn ich in Köln Zeit habe, gehe ich eigentlich immer in ein Brauhaus…. aber sicher nicht wegen des Essens… wie Du sagst, in guter Gesellschaft macht das immer Spaß, selbst mit grantigem Köbes (aber das muß wohl so, hab ich mir sagen lassen….). LG, Eddy

  8. Ah, da läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Lecker! Was ich kritisieren muss … Kölsch. Ich als Ruhrpottler bevorzuge da ja lieber ein schnödes Pils. 😀
    Liebe Grüße
    Jessica

    • Eddy Harteneck

      Moin, da bin ich ganz bei Dir. Geht nichts über ein anständig gezapftes kühles Pils…. am labbrigen Kölsch dürfen sich gerne die Kölner laben… 😉 LG, Eddy

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