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Essen in Island – Anregungen für den Süden

Lachsforelle Kresse Knäckebrot

Was liest man nicht so über das Essen in Island: Trockenfisch, fermentierter Hai, Wal-Sushi, Pferdeschnitzel, etc. Aber auch wer sich mit dieser Art Leckereien nicht anfreunden kann, wird fündig und noch nicht einmal arm dabei.

Essen in Island

Zugegeben, Island ist nichts für Sparfüchse. Restaurants sind schlicht und einfach schweineteuer. Streetfood, vor allem die legendären pylsur, auch bekannt als Hotdogs, findet man allerdings an vielen Ecken. Bei Restaurants ist meine Empfehlung, weniger auswärts essen zu gehen und dann nur in gute Lokale. Ist nur unwesentlich teurer als irgendwelche Pizza-Pasta-Burger Schuppen aber um Längen besser. Was auch hilft, ist einfach nicht umrechnen…

Im folgenden nun ein paar Anregungen für Südisland, vom besten Hotdog bis zum Feinschmeckerlokal. Wir beginnen im Südosten und futtern uns bis Reykjavik durch:

Heimahumar in Jökularson

Den optischen Genuß der Gletscherlagune im Südosten Islands kann ich hier gar nicht beschreiben. Die weißen, türkisen oder stahlblauen Eiskolosse auf der Lagune treiben zu sehen ist unglaublich, konnte mich fast nicht sattsehen.

Gletscher Island
Gletscherlagune Jökularson

Wenn sich dann irgendwann der Hunger meldet und die Kälte in die Glieder steigt, kommt die heiße Hummersuppe von Heimahumar gerade recht. Zu finden an seinem Stand am Hauptparkplatz vor der Lagune. Streng genommen ist es gar keine Hummersuppe. Languste wird hier verkocht und das durchaus gekonnt. In der würzigen rotbraunen und dicken Suppe schwimmen schöne fleischige Stückchen der Meerestieres. Wahlweise wird der humar auch in ein geröstetes Brot gelegt und mit Chili-Mayo, Remoulade, Zwiebeln und gebratenem Paprika serviert. Superlecker.

Lobstersoup
Heimahumars Langustensüppchen… passt hervorragend zu Gletscherseen

Humarsupa/Lobstersoup ISK 1.500.-, ca. 12.- EUR  Humarvefja/Lobster-wrap ISK 1.850.- , ca. 14.- EUR. Nicht gerade geschenkt aber Langusten aus dem Nordatlantik bekommt man bei uns auch nicht hinterhergeworfen.

Hotdogs in Selfoss

Der Islandkenner wird bemerkt habe, daß wir jetzt einen großen Sprung gemacht haben von der Gletscherlagune nach Selfoss. Aber ich habe ja eine Familie zu versorgen und kann nicht in jedem Lokal zwischen Reykjavik und Höfn speisen. Dafür kann ich in Selfoss, einem Verkehrsknotenpunkt südlich der Hauptstadt gleich zwei Anlaufstellen empfehlen.

Pylsu Vagninn Selfoss
Fast zu schön zum Reinbeißen…. aber nur fast…

Unbedingt am Pylsuvagninn gleich am Kreisel zwischen der Straße Austurvegur und Sudurlandsvegur anhalten. Geht auch bei schlechtem Wetter, da der Imbiss einen Ausgabeschalter für Autos hat. Die “ordinären” Hotdogs munden schon mehr als anständig. Die Spezialität allerdings sind frittierte Pylsur auf geschredderten Nachos mit Zwiebeln und Schmelzkäse überzogen. Richtig feist. Zu empfehlen auch die Hamburger, die von den freundlichen Mädels am Stand a la minute gebrutzelt werden.

Hotdog ISK 400.-, ca. EUR 3.-; Spezialpylsur 470.-, ca. EUR 3,70.-; Hamburger 870.-, ca. EUR 6,90.- Geht doch ! Wer anschließend noch etwas Süßes braucht, findet gleich daneben einen Joghurteisladen und neben dem Kronan Supermarkt auf der anderen Seite des Kreisels gibt es Kaffee und Kuchen im Kaffi Krus (nicht getestet, sieht aber nett aus).

Restaurant Tryggvaskáli in Selfoss

Wer das frittierte Käsewürstchen verdaut und immer noch Hunger hat, dem sei das Tryggvaskáli anempfohlen. Dieses schnuckelige Restaurant befindet sich nicht nur im gleichen Ort, sondern auch am oben erwähnten Kreisel. Im zweistöckigen Holzhaus kann man auf beiden Etagen fein und in gemütlichen Ambiente speisen. Von einigen der Holztische blickt man auf den nahen Fluß, es sei denn, das Auge bleibt an der schönen Einrichtung Marke Kapitänshäuschen hängen.

Restaurant in Selfoss
Urgemütlich, das Tryggvaskáli in Selfoss

Der Service flink und freundlich, trinkbare Weine. Bis auf die Monsterportion Mousse au Chocolát allerdings keine große Überraschung, aber man kann hier ordentlich essen. Das Ambiente wiegt die fehlende Rafinesse der Küche, die schöner präsentiert als kocht allerdings auf. Für Kinder gibt es eine krosse Pizza, die mit unter 1.000.- ISK (ca. EUR 8.-) fast schon billig ist, die Hauptgerichte für Erwachsene bewegen sich zwischen ISK 3.500.- und ISK 5.000.- (ca. EUR 27.- bis 40.-), Vorspeisen zwischen ISK 2.000.- und 3.000.- (ca EUR 15.- bis 24.-). Preis-Leistung für Island absolut in Ordnung.

Nachtisch im Tryggvaskali
Caramal Creme Brulee mit Erdbeereis…. auch lecker…

Restaurant Matur og Drykkur

Und hier mein absoluter Favorit. Das Matur og Drykkur (zu Deutsch: Essen und Trinken) in Reykjavik. War gleich zweimal in dem Laden und werde bei meinem nächsten Besuch mit Sicherheit wieder dort essen. Kein Schnickschnack, wie der Name des Restaurants erahnen lässt, sondern es gibt hier ganz einfach eine hervorragende Küche und was zum Trinken. Zum Beispiel Bier von der sehenswerten Craftbeer Karte. Passt tatsächlich gut zu den Fischgerichten in diesem unprätentiösen aber (oder gerade deswegen) schwer empfehlenswerten Schuppen.

Fisch im Matur og Drykkur Restaurant Reykjavik
Hier wird ein Kabeljaukopf ziemlich warm gemacht… bestelle ich das nächste Mal…

Beim ersten Besuch hat mein Sohn den in Bröseln frittierten butterigen Shellfisch/Dorsch mit Kapern fast inhaliert. Der war eigentlich für mich gedacht. Auch empfehlenswert die auf Schafsdung geräucherte Lachsforelle mit Meerrettich (siehe Beitragsbild) als Vorspeise. Keine Angst, weder schmeckt noch riecht man die Schafscheisse, macht sich aber gut auf der Speisekarte… Beim zweiten Besuch (wieder mittags) gab es nochmals den Brotbröseldorsch für den Sprössling und eine zarte langsam gegarte Lachsforelle mit Gurke und Dillskyr (Skyr = isländischer Joghurtquark) für mich, danach Fettgebackenes in Karamellsauce. Jedes einzelne Gericht gekonnt und ohne Abstriche zu empfehlen. Wer will kann sich auch abends in mehreren Gängen durch die Küche Islands futtern, mit oder ohne passende Getränke. Die Speisekarte spricht für sich und macht richtig Lust auf Essen in Island.

Sehr freundlicher und flexibler Service, es war beispielweise kein Problem, für meine Tochter nur Kartoffelpüree zu ordern oder eine zweite Portion vom gebratenen Blumenkohl.

Fisch im Restaurant Matur og Drykkur
Lachsforelle in gesund und lecker

Matur og Drykkur, Grandagarður 2, 101 Reykjavik, info@maturogdrykkur.is, Telefon +354 571 8877

Mittagessen: Vorspeisen ISK 990.-, ca. EUR 7,90; Hauptspeisen ISK 2.000.- bis 3.000.-, ca. EUR 16.- bis 24.-.

Abendessen: 4-Gänge-Menü ISK 9.990.-, ca. EUR 78.- Getränkebegleitung nochmal ISK 7.990.-, ca. EUR 63.- oder á la carte teurer als mittags mit etwas anderer Karte

Fish & Chips in Reykjavik

Was bei einem Bummel durch die Hauptstadt Island natürlich auch nie fehlen darf, ist eine Portion Fish & Chips im Hafen. Der hellblaue Wagen im Zeitungsdekor ist nicht zu übersehen. Genausowenig wie die Lücke im Geldbeutel, die der Happen hinterlässt. ISK 1.590.- ca. EUR 12.-…Aber wat mut dat mut…

Fish & Chips in Reykjavik
Der Klassiker nach Pylsur

Viel Spaß beim Essen in Island oder wie man dort sagt: Verði þér að góðu!

8 comments on “Essen in Island – Anregungen für den Süden

  1. Hallo Eddy,

    jetzt bin ich überrascht. Wenn man aufpasst, kann man in Island ja wirklich zu humanen Preisen essen. Vor allem das Mittagessen bei Mattur y Drykkur hat es mir angetan. Die Preise sind völlig akzeptabel, und das Essen klingt sehr interessant. Und Fish and Chips müssen natürlich auch sein. Am Abend kann man sich dann ja als Selbstversorger verpflegen. Wie sind denn die Lebensmittelpreise in den Supermärkten?

    Viele Grüße,
    Monika

    • Eddy Harteneck

      Hallo Monika, wir haben uns in Anbetracht der Preise in den Restaurants auch meistens selbstversorgt. Einer der günstigeren Märkte ist Kronan, den es zumindest im Süden überall gibt. Es ist alles etwas teurer als bei uns einige Sachen deutlich z.B. Käse oder frisches Fleisch. Obst, Gemüse und Brot war vom Preis recht unterschiedlich, wir haben dann eben nicht das gekauft, worauf wir Lust hatten, sondern was es im Angebot gab. Milch und Joghurt ok, Pasta, Reis u.ä. ohnehin kein Thema… aus dem Bauch heraus und ohne das groß analysiert zu haben, würde ich sagen, liegt man beim Einkauf ca. 25-30% höher als bei uns in “normalen” Supermärkten… Alkohol jetzt mal nicht eingerechnet, den nehmt Ihr am besten mit, es sind meine ich 3l Wein pro Nase erlaubt und damit übersteht man die ersten zwei Tage… 😉 LG, Eddy

  2. Na prima, da habe eh schon so eine Sehnsucht endlich mal nach Island zu fahren… und dann steigerst du diese auch noch mit so tollen Reisetipps.
    Fish and Chips allerdings würden nicht zwingend auf meinem Speiseplan landen 🙂
    Alles andere klingt sehr verlockend.

    LG Katja

    • Eddy Harteneck

      Moin Katja, dann hoffe ich mal, daß Deine Sehnsucht bald gestillt wird… aber sicherheitshalber warte ich noch mit einem Beitrag zur Blue Lagoon und einer anderen Wellnessoase auf Island…LG, Eddy

  3. Hallo Eddy,
    ich möchte ja noch einige Jahre warten, ob oder bzw. bis der Island Hype vorbei ist. Dann aber geht es auch für mich dorthin. Deine Tipps werde ich mir jetzt schon mal speichern, denn rein kulinarisch war Island bisher eher nicht auf meiner Wunschliste aber das hast du gerade geändert. Die Hummersuppe ist genau mein Ding und sicher der Beginn einer Liebe die durch den Magen geht.
    Herzliche Grüße
    Sabine

    • Eddy Harteneck

      Huhu Sabine, das machst Du genau richtig… ist in der Tat etwas überlaufen die Insel und ich befürchte das wird erst noch schlimmer, bevor es besser wird… ich würde das nächste Mal auch von längerer Hand planen und nicht in der Hauptsaison fahren, aber man lernt ja nie aus… LG, Eddy

  4. Lieber Eddy,

    das sieht alles super lecker aus – das gebe ich zu. Aber da ich super low budget unterwegs bin, würde das 4-Gänge-Menü mal eben fast mein komplettes Wochenbudget verschlingen. Den Hotdog dürfte ich mir vielleicht erlauben und wenn ich danach nur Brot esse, auch mal den Burger. Da muss ich wohl noch ein bisschen sparen, bis ich nach Island reisen kann 😉

    Liebe Grüße,
    Barbara

    • Eddy Harteneck

      Moin Barbara, eine low Budget Destination ist Island nun wahrlich nicht… aber vielleicht gibt´s ja bald wieder einen Crash und dann geht´s vielleicht… 😉 LG, Eddy

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