Food Lateinamerika TopTip Travel

Essen gehen in Lima – keine leichte Entscheidung

Mercado de Surquillo

Ich werde gar nicht erst versuchen, Euch die “10 besten Restaurants” in Lima oder “Top 5 sowienoch” anzudienen. In dieser Stadt gibt es so viel zu verkosten, entdecken und zu erleben, gastronomisch wie kulturell, daß ich lediglich ein paar Lokale und Plätze empfehlen möchte, die ich auf jeden Fall und unter allen Umständen wieder besuchen würde.

Lima hat sich, quasi im Gleichschritt mit der Popularität peruanischer Küche, zu einem Mekka für Foodies aus der ganzen Welt entwickelt. Völlig zu recht. Die Ansammlung an ausgezeichneten Lokalen (ob nun offiziell prämiert oder nicht) scheint fast unendlich. Alleine im Stadtteil Miraflores, einer bei Touristen beliebten Gegend, findet sich eine Unmenge an guten Restaurants aller Preisklassen. Nimmt man nun noch das alternative Viertel Barrancos hinzu oder San Isidro, bräuchte man wahrscheinlich Jahre, um sich überall den Bauch vollzuschlagen.

Szene bei Astrid y Gastón
In der Ruhe liegt die Kraft…

Wir waren nur ca. eine Woche in Perus Metropole und haben zwischen Meetings und Barbesuchen alles gegeben, um uns einen Überblick zu verschaffen. Im folgenden möchte ich meine Favoriten vorstellen und fange bei den preiswerten Alternativen an. Alles innerhalb von ca. 20 Minuten mit dem Taxi von Miraflores zu erreichen.

Mercado de Surquillo

Wer nur einen Tag in Lima hat, oder auch nur ein paar Stunden, kann sich jedes schicke Restaurant sparen. In dieser Markthalle bekommt er peruanisches Essen in Konzentration. Zu allem Überfluß auch noch vom Feinsten. Wir haben hier günstiger und besser gegessen, als in vielen gehypten Gourmetlokalen.

Wenn man in die quirlige Markthalle tritt, steht man schon inmitten des Reichtums dieses Landes. Markstände mit Obst, welches kein Mensch je gesehen und aus Höhen, die nie ein Mensch betreten hat… nun ja, außer den Peruanern natürlich. Schon mal eine Tumbo oder Curuba probiert ? Ein Wachtelei “to go” gegessen ? Fliegende Kartoffeln gesehen?

Mercado Lima
Tumbo Tasting im Markt
  • Nachdem man sich in den Auslagen Hunger geholt hat, kann dieser im Inneren des Mercado de Surquillo gestillt werden. Mehrere Ceviche Stände buhlen hier um Gäste. Wir haben mehrfach Don Cevichero ausprobiert. Ein Muß. Vorweg gibt es eine klare Fischbrühe, etwas Limmetensaft rein, scharfe Paprika und frischer Koriander. Ein Traum. Danach entweder Ceviche (fein marinierter roher Fisch) oder die Platte mit den frittierten Fischstückchen, Gambas und Tintenfisch. Danach einen frisch gepressten Saft vom Stand gehenüber, z.B. Guave Maracuja oder Pfirsich Ananas. Alles geht, nichts teuer.

Surquillo 15047, Lima

Bar Juanito Barranco

Keine Lust auf Fisch oder feine Küche ? Einfach nur ein Bierchen ? Dazu am besten ein lecker Schinkenbrötchen mit eingelegter Paprika oder eine Käsestulle bei Juanito.

Bar Barranco
Zeitloses Ambiente bei Juanito

Eine einfache Bar gleich am Hauptplatz in Barranco, erstaunlicherweise kaum von Touristen frequentiert. Wahrscheinlich nicht schick genug. Hier stärken sich Studenten, Nachbarschaft, die Bordsteinschwalben des Viertels. Sehr entspannte Atmosphäre unweit des Rummels an der Plaza. Die Zeit scheint hier stehengeblieben. Günstig.

Bar Juanito Lima
Wer braucht da noch Ceviche… ?

Av. Almirante Miguel Grau 270, Barranco 15063

La Isolina

Einmal über den Platz in Barranco und man ist im La Isolina. Hier  hatten wir das entspannteste Abendessen der Woche. In der einfachen Taverne wird Großmutters Küche angeboten, eine gute Auswahl an Fischgerichten aber auch Innereien. Also nicht der übliche Einheitsbrei. Die Bedienung – in unserem Falle der Restaurantchef – war ausgesprochen freundlich und hat jede unserer – vielen – Fragen beantwortet. Als es bei Kräutern und diversen Paprikasorten Sprachschwierigkeiten gab, wurden die Zutaten einfach an den Tisch gebracht. Großartig.

Impressionen La Isolina
Leichte Kost muß auch mal sein…

So auch das Essen. Wir entschieden uns für Papa Rellena, eine gefüllte Kartoffel, die aussieht wie eine ohne Schale gebackene Ofenkartoffel. Tatsächlich verbirgt sich dahinter in Form gebrachtes und mit einer pikanten Fleischfüllung versehenes Kartoffelpüree, welches anschließend frittiert wird. Danach eine Monsterportion Osso Bucco (geschmorte Kalbshaxe)… Zum reinlegen. Portionen sind üppig, also am besten teilen. Weinkarte ist ausbaufähig, sind aber auch trinkbare Tropfen aus Argentinien dabei. Den peruanischen Wein bitte nur zum Ertränken von Fruchtfliegen verwenden.

Das La Isolina hat es in 2016 nicht nur auf die Liste der 50 besten Restaurants geschafft (was nun auch wieder übertrieben ist), sondern auch in diverse Reiseführer. Abends besser reservieren. Wir sind einfach vorbeigelaufen und haben auch noch einen Tisch bekommen, das Personal ist flexibel, die Fluktuation hoch. Gutes Preis-Leistungs Verhältnis.

Avenida San Martín 101, Barranco, Lima

Osaka Peru

Wer diesen Blog verfolgt, weiß, daß ich ein Freund dieser Kette bin. Der erste Kontakt in Bogotá war schon famos (hier nachzulesen), der zweite beim Osaka Peru in Lima, der Mutterstadt dieser Restaurants nicht minder schlecht. Du willst ausgezeichnetes Essen in moderner Atmosphäre und ein bisschen Party ? Volltreffer.

Osaka Peru Lima
Evil Ebi im Osaka Peru… ein Gedicht

Im edlen Ambiente und bei schummrigem Licht zur dezenten Elektromucke gibt es asiatisch Angehauchtes. Nun eigentlich nichts neues für die peruanische Küche, aber hier geht es schon stark ins Japanische. Das Osaka Peru verfügt über einen ansehnlichen Sushi Tresen, bietet aber auch fein Gegrilltes. Die Wahl fällt schwer und man müsste eigentlich mehrfach kommen, um sich zwischen dem Wasabi-Ceviche, Lachs-Maracuja-Krokant, kurz gebratenem Thunfisch mit Wachtelei oder der Ente im Wok mit Shiitakepilzen und knusprigem Reis zu entscheiden. Ganz zu schweigen vom Nachtisch wie Matcha Grüntee mit Miso Kürbis und Schokolade oder Frühlingsrolle von der Ananas und Physalis mit Yoghurteis.

Danach einen Cocktail auf der Terasse unter freiem Himmel und den Schönheiten Limas beim Benetzen ihrer Lippen zusehen. Was will man mehr ?

Gut, eine dezentere Rechnung und die rassige Dunkelhaarige auf dem Schoß… aber was soll´s. Der Laden ist nicht billig, was weniger an den Preisen für die einzelnen Gerichte liegt, sondern daran, daß man möglichst viel probieren möchte. Die Weinkarte ist gut, der Service excellent. Abends reservieren.

Es gibt zwei Osaka Peru in Lima, das besuchte liegt in San Isidro unweit Miraflores, ein weiteres ist in San Ildefonso am Stadtrand.

Avenida Pardo y Aliaga 660, San Isidro

Restaurant Central

Was den Überraschungseffekt angeht, mein Favorit. Unlängst zum besten Lokal in Südamerika gekürt und auf der Liste der 50 Best Restaurants weit vorne auf Platz 5.

Eingangsbereich
Restaurant Central… nur reinkommen ist schöner…

Im Restaurant Central kann man was erwarten und bekommt auch etwas geboten. Es gibt in diversen Menüs von schmalen 8 (nur an der Bar) bis hin zu opulenten 17 Gängen eine Achterbahnfahrt durch die Ökosysteme Perus. Jedes Gericht enthält nur Zutaten aus einem Ökosystem, zB. Seeigel – Gurke – Schwertmuschel – Ziehenjoghurt. Fantasievolle Präsentation und erstklassiger Service, ausgezeichnete Weinkarte.

In diesem Artikel erfahrt ihr mehr über das Restaurant Central einschließlich Reservierungsempfehlungen und Preisen. Ist nicht nachgeworfen, für das Gebotene aber jeden Sol wert.

Santa Isabel 376, Miraflores

Und wo soll ich jetzt hin… ?

Nach einem Favoriten unter den genannten Lokalen gefragt, könnte ich keinen nennen. Die erwähnten Restaurants in Lima sind einfach zu unterschiedlich. Wenn ich nur wenig Zeit hätte, würde ich mittags in den Mercado de Surquillo gehen (dort Ceviche und frittierten oder gebratenen Fisch) und abends nach Barranco ins La Isolina, um die deftige peruanische Küche zu genießen. Danach noch ein Bierchen bei Juanito.

Für den Feinschmecker bietet sich – wenn er rechtzeitig reserviert oder es mittags an der Bar versucht – natürlich das Central an. Mehr Peru geht nicht. Was man dort bekommt, kennen die meisten Einheimischen kaum.

Wer jetzt den Hinweis auf Meerschweinchen und Spieße vom Rinderherzen vermisst…kommt beim nächsten Besuch. Meerschweinchen gab es allerdings bei Astrid y Gastón, einer weiteren Institution unter Limas Restaurants. Ich kann das Lokal nicht weiterempfehlen. Eines der vielen Beispiele, die über ihren Erfolg die Qualität vergessen haben. Aus einem Gourmetrestaurant mit 60 Plätzen ist ein Schuppen für 180 Personen geworden, Service unkoordiniert, Sommelier überfordert, ein Gericht war komplett versalzen, der Rest nichts besonderes, vom Preis vielleicht abgesehen.

Schnapps
Und nach dem Essen: lecker Pisco

Guten Appetit !

Und wer von südamerikanischer Küche gar nicht genug bekommen kann, findet bei 2 On the Go einen weiteren Überblick über die Leckereien Perus sowie einen kulinarischen Ausflug nach Chile.

6 comments on “Essen gehen in Lima – keine leichte Entscheidung

  1. Also, wieder so toll geschrieben.!!! Da muss man Appetit bekommen…. aber leider – wann kommt unsereins schon mal nach Lima. Gruss Sylvie

    • Eddy Harteneck

      Danke Sylvia…. ist aber ganz einfach nach Lima zu kommen: in Frankfurt in Flieger, umsteigen in Panama und kaum hast Du Dich an die Fliegerei gewöhnt bist Du dort… 😉 LG, Eddy

  2. Pingback: Fotoparade 2017 – Beste Foodpics | BONVIVANT @ WORK

  3. Pingback: Kochkurs peruanische Küche in Lima | BONVIVANT @ WORK

  4. Was für ein tolles Blog! Ich bin gerade über die Facebook Gruppe Blog und Business mit Anne Häusler auf dein Blog gestoßen und finde es einfach nur fantastisch hier. Vielleicht weil ich selber so überhaupt nicht zum Reisen komme und deine Artikel einen einfach mitnehmen. Ich bin jetzt mal lesen 🙂

    Liebste Grüße
    Anna

    • Eddy Harteneck

      Liebe Anna, danke für die Blumen, freut mich sehr, wenn es Dir hier gefällt… bleibe gerne dran. Wenn Du Dich für den Newsletter einträgst, wärest Du die erste, die nicht gezwungen wurde… 😉 Gruß aus Istanbul, Eddy

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.