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New York in Häppchen – Nolita & Soho

“Einen Blogartikel über New York will der Herr also verfassen ? Ich rate dringend davon ab. Wird scheitern. Erstens gibt es schon alles zu dem Thema – mehrfach – zweitens ist das eine Nummer zu groß! Bei allem gebotenen Respekt.” So sprach das Teufelchen in mir…Engelchen: “Scheiß drauf! Deine Artikel liest sowieso kaum jemand. Kannst also ruhig was hinpinseln. Fang doch einfach mit Deinen Lieblingsecken an und lass mich weiterschlafen…”

Und da ich immer, also wirklich fast immer auf mein Engelchen höre, gibt es jetzt den ersten Teil einer Serie zu New York, die vielleicht auch einen zweiten Teil bekommt.

Warum Nolita und Soho ?

Zugegeben, gute Frage. Vielleicht weil ich USA Muffel bin und erklärter Freund europäischen Lebensstils. Wenn New York schon wenig mit den USA zu tun hat, dann sind diese Viertel in Lower Manhattan möglicherweise diejenigen, in der es sich als Europäer mit am Besten aushalten lässt. Also neben Brooklyn, East Village oder dem Meatpacking District. Außerdem ist diese Gegend frei von Sehenswürdigkeiten, von ein paar Kunstgalerien und Museen der Kategorie B mal abgesehen. Perfekt, um einfach nur völlig planfrei herumzubummeln, willenlos zwischen Kaffee und Konsum zu pendeln. Kein Hochhaus das bestiegen werden, keine Aussicht, die bewundert werden muß.

Südlich der Houston Street (SOuth of HOuston) und nördlich von Little Italy (NoLIta) dominieren Backstein- und andere Gebäude in zugänglicher Höhe. Nix mit Halsverrenken, keine Architektur, die einen gleich erschlägt. Stattdessen fotogene Feuerleitern an den Fassaden, hie und da Jugendstilelemente. Schlicht und einfach schön – und schön überschaubar. Und was noch viel wichtiger ist für einen reisenden Foodblogger: die Fülle an Bars, Restaurants, Bistros, Cafés und Kneipen ist unerschöpflich. Okay, anderswo in New York ist das auch nicht besser, aber es geht hier nun mal um Nolita und Soho…

Wo Schnabulieren?

Fangen wir doch beim Frühstück an. Und dann gleich mit meinem amerikanischen Trauma, daß ich mir vor Jahren in einem hippen Designerhotel in Midtown zugezogen habe. Man muß wahrlich nicht erst in die amerikanische Provinz, um schlechten Kaffee zu bekommen oder Rührei aus Pulver (das gibt´s wirklich). In so manch teurer Absteige New Yorks ist die Bedienung schon überfordert, wenn die Order mal nicht auf zwei Kilo Blaubeerpfannkuchen oder einen Zentner Speck mit Eiern auf Toast lautet. Ich wache heute noch schweißgebadet auf, wenn ich an den Tee im Kaffepott denke, die staubtrockenen Minicroissants, das mißlungene Ei ohne Eierbecher – Danke Morgans Hotel ! Aber ich schweife ab…

Frühstück im Balthazar
Frühstück im Balthazar

Wer also ohne Gefahr, vergiftet oder überfüttert zu werden, ein sog. kontinentales Frühstück zu sich nehmen möchte, ist im Balthazar in der Spring Street sehr gut aufgehoben. Dieser Ort scheint aus der Zeit gefallen und würde dem Paris des 19. Jahrhunderts gut zu Gesicht stehen. Ein herrlich altmodisches Bistro mit kleinen Tischchen, verspiegelten Wänden, weiß beschürzten fleißigen Kellnern und einer Frühstückskarte, die keine Wünsche offen lässt.  Frisches Brioche,  Eier im Glas und anderen Variationen sowie mein Favorit, klassisches weiches Ei mit gerösteten Toastsoldaten zum Tunken. Dazu ganz profan Baguette, Butter, Aprikosenmarmelade. Ich möchte ja nicht schon vor der Zeit satt werden.

Eine deutlich günstigere Variante in der Nähe, ebenso französisch inspiriert, wäre ein Ableger der Kette Le Pain Quotidien in der Grand Street. Gleich hinter dem Strassenverkauf der Bäckerei darf man sein Frühstück am endlos langen Holztisch zu sich nehmen und wird in Ruhe gelassen. Nicht ganz selbstverständlich in NYC. Wer nur einen schnellen Kaffee auf die Hand und ein süßes Teilchen braucht, wird sicherlich bei Dean & Deluca 560 Broadway fündig, d e m Delikatessenladen auf der Ecke. Der Kaffee hier ist genauso mies wie in den meisten anderen Coffee to Go Läden der Amis aber teurer und dafür aus einem Schuppen, der in jedem Reiseführer steht.

Kaffee mit Maiskolben

Nicht in jedem Reiseführer steht daß Café Habana. Dieses nun endlich in Nolita und nicht mehr in Soho wie die eben genannten Etablissements.

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Mais-, Saft- und Kaffeetresen im Café Habana

Vielleicht noch soviel zu Nolita: es beschränkt sich im wesentlichen auf die drei Straßen Mulberry, Mott, Elisabeth Street. Nördliche Grenze ist wieder die Houston Street, das südliche Ende ist an den spärlichen Überbleibseln Little Italys zu erkennen. Also an ein paar Touri-Italienern, italienischen Cafés, etwas Feinkost, c´est tout. Oder besser: questo é tutto. Mafiosi alter Schule dürften sich hier nicht mehr so wohl fühlen, dafür die chinesischen Triaden umso mehr wie ich annehme. Chinatown wuchert erkennbar nach Norden.

Wie dem auch sei. Daß Café Habana an der Ecke Prince St/Eliabeth St bietet neben Café con Leche das volle Programm südamerikanischer Küche an. Für den Hunger zwischendurch sei der Maiskolben mexikanisch empfohlen. Ein gegrillter Kolben am Spieß, oberfeist gebuttert, durch massig Parmesan gezogen, mit Chilli- und Paprikapulver bestreut. Wer es auch noch sauer mag, darf die gereichte Limette drüberträufeln. So lecker, daß man aufpassen muss, nicht noch seine Finger zu verschlingen. Garantiert keiner davon bleibt sauber… dazu eine selbstgemachte Limonade und man ist gestärkt für den nächsten Block Nolita. Ist zwar eher was für Mädels, aber ein Blick in die zahlreichen Boutiquen ist allemal interessant. Während in Soho die Nobelmarken dominieren – direkt am Broadway auch die nicht ganz so noblen – ist man hier deutlich individueller unterwegs. Wen dieser Aspekt interessiert, findet sicherlich einen schicken Fashioblog mit Hinweisen, wo man sehr viel Geld für sehr wenig Stoff lassen kann. Ich beschäftige mich eher damit, wo ich weniger Geld in sehr viel Kalorien anlegen kann…

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Tacoküche im Tacombi

Glücklicherweise ist das Tacombi nur etwa 10 Boutiquen weiter am Ende der Elisabeth Street. Mein Snack-Favorit des Tages. Eine alte Lagerhalle, hinter deren Toren sich was verbirgt ?

Man staune, eine Lagerhalle… in dieser wiederum parkt ein alter weiß-roter VW Bulli aus den 60ern (meine Schätzung, Autofreaks dürfen mich gerne zurechtweisen), der als Taco Küche dient. Leider kann ich nach dem Maiskolben nicht mehr allzuviel probieren, aber der Rindshacktaco mit Koriander mundet prächtig und das gezupfte Schwein, neudeutsch: pulled pork, ist so würzig und saftig, daß ich schon wieder meine Finger aus dem Mund ziehen muß… Gegessen wird auf einfachen Klappmöbeln, blanker Beton unter den Füßen. Lagerhalle eben. Die Saft- und Cocktailbars drumherum unterstützen die südamerikanische Leichtigkeit, ebenso wie die Mucke. Einfach geil.

Soho Grand Hotel

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Lobby-Restaurant im Soho Grand

Wer den Sightseeing-, Fress- und Bummelmarathon in New York überleben will, braucht einen Rückzugsraum. Ich habe mir – zum wiederholten Male – das Soho Grand in West Broadway ausgesucht. Kein Protzbau und mit weniger als 20 Stockwerken eher ein Winzling unter New Yorks Hotels. Wenn man ein Zimmer in einem der oberen Stockwerke ergattert, ist trotzdem atemberaubender Blick nach Uptown bzw. Downtown Manhattan garantiert. Ansonsten zeichnet das Hotel industrieller Schick aus gepaart mit exzellentem Service, ansprechenden Zimmern und noch ansprechenderen Damen, die in der schicken Restaurant-Lobby herumstehen. Nachmittags legt hier manchmal ein DJ Musik auf, Bar und Restaurant werden auch gerne von Gästen außerhalb des Hotels frequentiert. Ist dementsprechend alles recht trubelig aber gerade noch so, daß es angenehm ist. Wie meistens in dieser Sadt ist die Zimmergröße nicht üppig bemessen, bin aber schon deutlich schlimmer untergekommen. Die Bäder hell, die Zimmer in einer Art Retro Design. Wohlfühlen garantiert ebenso wie die Maulsperre beim Öffnen der Vorhänge. Die Panoramen New Yorks wirken fast unwirklich und sind doch echt. Wie so vieles in dieser Stadt…

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PS: wer in Nolita noch mehr essen will, dem dürfte dieser Artikel von Yummytravel gefallen

 

6 comments on “New York in Häppchen – Nolita & Soho

  1. Wieder sehr unterhaltsam und informativ… macht Appetit auf mexikanisch! Gruss sylvia

    • Eddy Harteneck

      Frohes Neues Sylvia, und danke für den Kommentar…deinetwegen hab ich jetzt tatsächlich Hunger auf mexikanisch, hier ist aber kein Mexikaner auf der Ecke…Mist !

  2. Toller Artikel und eine willkommene Abwechslung zu den Standard-New York-Blogposts 🙂 Guter Schreibstil!

    Liebe Grüße

    • Eddy Harteneck

      Moin Sarah, danke für den Kommentar und die Blumen !! Grüße nach Österreich, Eddy

  3. Da bin ich ja froh, dass das Engelchen gesiegt hat. 🙂 Wieder toll geschrieben mit super Tipps. Merke ich mir für das nächste Mal in New York. Wir waren in New York im Negril Village einem karibischen Grill in Chelsea . War auch super lecker und ist echt zu empfehlen. 🙂

    • Eddy Harteneck

      Das Engelchen siegt immer… 😉 Negril Village ist notiert, war noch nie karibisch essen…

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