Food Lateinamerika

Restaurant Central – No. 5 der weltbesten Lokale

be careful with the decoration

Nicht alles ist essbar, was im Central auf den Tisch kommt. Also Vorsicht. Sonst beißt man auf einen Stein. Die Speisen auf der Deko allerdings sind zum Niederknien. Sollte man auch erwarten im besten Restaurant Südamerikas…

50 Best Restaurants

Im April 2017 wurde wieder einmal die sog. San Pellegrino Liste oder die Liste der 50 Best Restaurants publiziert. Und das Restaurant Central in Lima wurde zum wiederholten Male zum tollsten Speisetempel in Lateinamerika gekürt. Gratulation.

Restaurant Impressionen
Restaurant Impressionen

Da es recht zeitraubend ist, alle Lokale der Welt zu testen (obwohl ich mir wirklich Mühe gebe…), kann ich kaum beurteilen, ob das Central wirklich so herausragend ist. Als erster Anhaltspunkt taugt die Bewertung von 1.000 Chefs, professionellen Gastronomiekritikern und Gourmets der 50 Best Restaurants aber allemal. Wenigstens schlecht Essen sollte ausgeschlossen sein. Nun, nach eingehender Ortsbesichtigung des Etablissements im Stadtteil Miraflores in Lima kann ich sagen: hat sich gelohnt. War ein kulinarisches Erlebnis der Extraklasse und die Flocken gut angelegt.

Restaurant Central

Einen Tisch zu bekommen, ist allerdings nicht ganz so einfach. Lima ist ein Magnet für Gourmets aus aller Welt und die beste Küche der Stadt entsprechend beliebt. Erst recht, wenn Sie regelmäßig unter den 50 angesagtesten Gourmethöhlen auftaucht.

Ich hatte ca. eine Woche vor meiner Geschäftsreise nach Peru versucht, einen Platz zu ergattern. Hoffnungslos. Habe es gerade noch auf die Warteliste geschafft. Als ich in meinem Hotel nachfrage, ob der Concierge denn nachhelfen könne, ernte ich nur ein müdes Lächeln. Der Schuppen ist mindestens einen Monat im Voraus ausgebucht und ans Telefon gehen die schon lange nicht mehr… Stimmt. Habe ich überprüft. Einen Tip allerdings bekomme ich und den gebe ich gerne weiter: persönlich vorbeigehen und am geschicktesten zum Mittag nach einem Platz an der Bar fragen. Dort kann man zwar keines der beiden „Mater“ Menüs mit 11 wahlweise 17 (!) Gängen ordern. Aber mit den „Ecosistemas Barra“ von 8 Gängen kann ich gerade noch leben. Wem das nicht reicht, der kann von der Barkarte noch zusätzlich wählen. Aber keine Angst, man verlässt das Central nicht nur voll (Pisco Sour und Cabernet Sauvignon sei gedankt), sondern auch erfüllt.

Pisco pur
Pisco an der Bar

Mater Ecosistemas

Was ist nun so besonders an diesem Laden, geführt von Chef Virgilio Martinez ?

Es ist nicht nur die Hingabe und Präzision mit der hier gekocht wird. Es ist die Art und Weise, wie er an die Küche seiner Heimat herangeht. Die Neugier und Entdeckungsfreude des Schülers von Gaston Arcurio, einem weiteren Superchef Perus.

Das Menü ist zusammengestellt nach Mikroklimata bzw. Ökosystemen Perus. Und das in Höhenlagen von unter null bis zu den Wipfeln der Anden. Jedes einzelne Gericht enthält nur Zutaten, die in dieser einen Klimazone zu finden sind. Hier ein paar Beispiele:

Gleich eingangs Tallos Engrosados aus einer Höhe von 3.500m. Dahinter verbergen sich Ollucos, Chincho, Cebolla und Yuyo de Pampa. Alles klar ?

Ecosistemas Barra
Zwiebelringe einmal anders

Wer nicht bei einer Kräuterhexe in den Anden aufgewachsen ist, hat keine Chance, auch nur die Hälfte des Gerichtes zu verstehen. Teilweise ist sogar unklar, wo der Teller anfängt oder das Essen aufhört. Das weiß zum Glück auch der Kellner – in unserem Falle der Barman – der geduldig alles erklärt (nie ohne Pinzette in der Hand) und Nachfragen beantwortet. Da es zu vielem keine englische Übersetzung gibt, können wir oft nur erahnen, was es ist. Meeresgetier oder Gemüse oder Obst oder irgendetwas dazwischen. Bei den Tallos Engrosados, die aussehen wie kleine Heuballen aus roten Zwiebeln, erkennen wir gerade noch rechtzeitig, daß die Steine, auf denen sie serviert werden, nur Deko sind.

Auch das Escama de Rio, ein geschmacksneutraler Flußfisch (wir sind wieder runter auf 680m), wird auf pachamama, Mutter Erde, kredenzt. Die in den Haufen applizierten Samen sehen aus wie frittierte Engerlinge. Ich konnte mich gerade noch zurückhalten.

Es geht weiter mit einer Achterbahnfahrt durch Berg und Tal. Die Ceja de Selva aus 2.800m ist nichts weiter als eine Brotmischung aus Kakaobrot, geräuchertem Yuccapalmentörtchen mit verbrannter Butter und Kräcker von Papa Voladora – einer auf Bäumen wachsenden „fliegenden Kartoffel“, die keine ist.

Saulecker
Pulpo Alge Krebs

Vom Meerestrand (Suelo del Mar, 0m) gibt es Seeigel – Melone – Schwertmuschel – Ziegenjoghurt. Ungemein lecker die Kombination aus Süße, auch der Muschel, und der Säure der Ziegencreme oder dem in Limettensaft gebadeten Seeigel.

Danach wieder in luftige Höhen auf über 2000m mit einem Maisgericht, Tierra de Maiz. Das Gemüse wird hier sozusagen nose to tail zubereitet. Von den gebackenen (nehme ich mal an) Maishärchen, bis zu dem karamellisierten Maiswasser, in dem sich die cremigen Maisbällchen suhlen. Die erdige Süße dieser Kombination hallt noch eine Weile nach.

Desert
Was limettiges zum Nachtisch

Ein Traum auch der zarte Pulpo mit knusprigen Tentakeln in einer giftgrünen Algensoße (Coral del Mar). Darüber Krebsknuspis. Wir sind wieder unter Normalnull gerutscht. Der Nachtisch kommt aus 3.700m und heißt Verde Húmedo: Caigua, Cushuro, Lima, Chaco… bitte selber nachschlagen.

Das nächste Mal stelle ich sicher, daß ich eine Abendveranstaltung buche und mindestens die 11 Gänge. Mehr als satt waren wir aber auch nach dem kurzen Ausflug in die peruanischen Ökosysteme an der Bar.

Der Kellner, mit dem wir uns zunehmend gut verstehen, schenkt uns zum Abschied noch ein sehr edel gemachtes Büchlein aus handgeschöpftem Papier mir Zeichnungen von Pflanzen, die im Restaurant Central zum Einsatz kommen. Eine Führung durch die offene Küche gibt es zu guter Letzt auch noch obendrauf. Alles sehr schick und edel wie der Speiseraum, grauer Stein dominiert im eher kühlen – oder coolem ? – Ambiente, das Licht funzelt gerade noch ausreichend.

Noch ein paar Fakten

Die Reservierung kann nur über die Netzseite (ggf. vor Ort) vorgenommen werden, wobei gleich eines der beiden Menüs gewählt werden muß. Die 17 Gänge schlagen mit 447.- Soles zu Buche bzw. 135.- USD , für lediglich 11 Happen werden 368.- Soles/111.- USD fällig (Wechselkurs April 2017). Aus meiner Sicht nachgeworfen, für ein Lokal dieser Klasse. Jeder, der schon einmal Pizzaessen in Zürich war, weiß wovon ich spreche.

Die Reservierung öffnet jeweils 30 Tage vor einer Periode von 4 Monaten. Eine Kreditkartengarantie von 200.- Soles ist zu hinterlegen. Bis zu 3 Tage vor dem Termin kann kostenfrei storniert werden. Mittagstisch gibt es ab 12:45, Nachtmahl ab 19:45.

Central Restaurante, C. Santa Isabel 376, Miraflores, Lima Perú

Telefon (wer´s trotzdem versuchen möchte): +5112428515, +5112428575, +511241672

e-Post: reservas@centralrestaurante.com.pe

Buen provecho !

P.S.: Werde demnächst vom ACE Hotel in Panama berichten sowie weiteren Klasserestaurants in Peru…Um den nächsten Hotel Review oder meine Foodtour durch Lima nicht zu verpassen, dürft ihr mir gerne folgen, z.B. hier auf Bloglovin, oder auf das entsprechende Symbol auf der Seite klicken…fertig.

 

23 comments on “Restaurant Central – No. 5 der weltbesten Lokale

  1. Na das klingt ja mal lecker. Da hast du mit dem Platz an der Bar einen guten Tipp weitergegeben. Peru ist jetzt etwas weit weg von uns, aber sollten wir da einmal aufschlagen werde ich mich auch um einen Platz bemühen.

    Viele Grüße
    Victoria

    • Eddy Harteneck

      Hallo Victoria, ist in der Tat nicht gleich um die Ecke… aber man kann das sehr gut mit einem Abstecher nach Machu Picchu verbinden… 😉 LG, Eddy

  2. Toll geschrieben und bebildert. War eine schöne Abendlektüre, ganz egal ob ich da jemals hinkomme. Aber wenn, dann werde ich mich um einen Barplatz bemühen. Für mich klingt der erstrebenswerter.
    Gute Reisen weiterhin.

    • Eddy Harteneck

      Hallo Anna, vielen Dank… klappt bestimmt einmal. Nach Lima sind es nur ca. 11 h bis Panama City und dann ein kleiner Hüpfer nach Peru von 3,5h und schon bist Du dort… der Barplatz im Restaurant Central ist auf jeden Fall kommunikativer. Wir haben uns zum Schluß richtig gut mit dem Barmann unterhalten… Gute Nacht, Eddy

  3. Hi, ich bin gerade in Peru und werde wohl in einer Woche auch in Lima sein. Ich habe schon von dem Lokal gehört und wie gut es sein soll! Das scheinst du ja auch zu bestätigen und ich gebe dir Recht, die Preise sind für eins der besten Lokale der Welt nicht so hoch. Trotzdem werde ich dieses Mal wohl darauf verzichten… also ein Grund mehr zurück zu kommen 😉
    Liebe Grüße, Kuno

    • Eddy Harteneck

      Hallo Kuno, habe noch einiges in Planung für meinen Blog…hier ein paar Tips, wo es günstiger geht: Auf jeden Fall in den Mercado de Surquillo,Don Cevichero, dort die Jaula (frittierte Fische etc., endlecker), in Barranco Bar Juanito, sehr gute Schinkenbrötchen, ebenfalls in Barranco: Isolina, Großmutters Küche mit gutem Fisch aber auch Innereinen oder gefüllte Kartoffel, nicht teuer, gut frequentiert, wenn nicht reserviert werden kann einfach vorbeigehen, die sind entspannt…wenn es etwas mehr kosten darf (aber immer noch die Hälfte vom Central), geh in das Osaka Peru, ein Traum und coole Bar. Auf jeden Fall meiden solltest Du Astrid y Gastón, die haben ihre besten Zeiten hinter sich… auf meinem Instagram Account findest Du Fotos und Adressen… Suerte y buen provecho, Eddy

  4. Sehr interessant, aber ohne Dolmetscher welcher auch nur einem im Entferntesten erklären kann, was das ist, wäre es nichts für mich, der keinen Fisch oder Seefrüchte mag.

    Wieviel Zeit muss man bei 8 Gängen, denn so einplanen?

    Gruss MArio

    • Eddy Harteneck

      Hallo Mario, wer keinen Fisch oder Meeresfrüchte mag, wird es in Peru schwer haben, es sei denn, Du weichst auf Rinderherz oder Meerschweinchen aus… 😉 Spaß beiseite, Salate, Früchte, Kartoffelgerichte…gibt es alles und jemanden der erklärt, ob das Viech auf dem Teller geschwommen oder gekrochen ist oder noch lebt, findest Du auch fast überall… Etwa 1,5 Stunden solltest Du mindestens einplanen… LG, Eddy

  5. Auch wenn man nicht weiß, was es ist – Hauptsache es schmeckt. Bei dem “geschmacksneutralen Flussfisch” bin ich aber etwas stutzig geworden.
    Und die Marotte, auf Steinen oder Erde zu servieren finde ich … ähm … merkwürdig.

    LG
    Gina

    • Eddy Harteneck

      Hallo Gina, Du hast zurecht gestutzt… der Flußfisch war in der Tat nichts besonderes, aber ausgesprochen fotogen….was die Präsentation angeht, so hast Du natürlich recht, ein Gericht schmeckt nicht besser, nur weil es auf Moos serviert wird, Ameisen drüber laufen etc… ist eben ein Trend, den ich ab und an mal ganz gerne mitnehme… LG, Eddy

  6. Hallo Eddy,
    Bislang konnten wir uns für Restaurants in dieser Preisklasse nicht begeistern. Das Essen sieht spektakulär aus, schmeckt bestimmt auch super. Läd mich jemand dazu ein nehme ich bestimmt gerne an. Ist das Essen auch an landestypische Gerichte angelehnt und könnte man ähnliches auch in anderen Restaurants bekommen?

    • Eddy Harteneck

      Hallo Susanne, war in der Tat alles landestypisch aber schwer verfeinert…ausgezeichnetes Ceviche (marinierter Fisch) bekommt man fast überall und man muss – gerade in Peru – nicht soviel Geld ausgeben, um gut zu essen. Tags drauf waren wir auch in einem prämierten Lokal und das Essen war eher schlecht… der Preis ist also sicher kein Garant für eine gute Küche, allzuviel ist oft Show…LG, Eddy

  7. Hallo Eddy, ich bin für solche Gourmet-Tipps auch immer voll empfänglich – wenn es dann allerdings schon wieder so kompliziert ist, einen Tisch zu bekommen, dann nervt mich das schon wieder. Danke daher für den Tipp mit dem Essen an der Bar 🙂 Dass Lima so ein Mekka für Gourmets ist finde ich auch sehr spannend, hatte bis jetzt nocht nie davon gehört/gelesen. Danke für diesen tollen Beitrag. LG aus Kärnten, Anita

    • Eddy Harteneck

      Hallo Anita, gern geschehen…;-) Ich finde es auch ärgerlich, daß man in vielen besseren Lokalen ewig vorher reservieren muss, in Lima ist das aber zum Glück eher die Ausnahme und liegt wohl am Preisniveau, das für normale Einheimische kaum erschwinglich ist… auch schade… denke wir haben auf unserem Peru Trip einen guten Mix hinbekommen an gehobenen Restaurants sowie einfacher (und manchmal besserer) Küche… ich werde berichten… Gruß nach Kärnten, Eddy

  8. Hallo Eddy,
    also im Sachen essen von denen ich so gar keine Ahnung habe was es ist…. damit tue ich mich ja ein bisschen schwer. Ach in so einem Top Restaurant 😉
    Trotzdem ist ein Besuch dort für Mutige sicher ein großartiges Erlebnis.
    Und lecker aussehen tut das Ganze ja schon…. aber bei dem Preis würde ich mir das wohl noch dreimal überlegen.
    Trotzdem ein interessanter Artikel und sollte ich mal dort vorbei kommen, überlege ich es mir vielleicht doch anders und frage zu Mittag nach einem Platz an der BAr 😉
    Viele Grüße
    Steffi

    • Eddy Harteneck

      Hallo Steffi, danke für den Kommentar und nicht so schüchtern… 😉 der Preis ist sicherlich nicht von schlechten Eltern, aber es ist auch etwas Besonderes. Vor einiger Zeit habe ich auch noch einiges auf dem Teller stehen lassen (zB Sushi), mich mittlerweile in kleinen Portionen herangetastet und finde viel Spaß am Probieren unterschiedlichster Sachen…aber auch bei mir gibt es eine Schmerzgrenze, wenn ich beispielweise an den ein oder anderen asiatischen Markt denke… in Peru kann man (soweit Fischfreund) nicht viel falsch machen… LG, Eddy

  9. Hi Eddy,
    ich kann mich Steffi nur anschließen – bin auch immer sehr skeptisch, wenn ich nicht weiß, was da auf meinem Teller liegt. Außerdem esse ich keinen Fisch – das wäre dann wohl leider nichts für mich. Trotzdem ist es sicher ein tolles Erlebnis in einem der Top-Restaurants zu essen 🙂
    LG Luisa

    • Eddy Harteneck

      Moin Luisa, kann ich gut nachvollziehen… in einem der nächsten Blogbeiträge zu Peru werde ich noch einige weitere Lokale vorstellen, die weniger exotisch sind und auch ein Fleischrestaurant… sollte es Dich also einmal nach Lima verschlagen, wirst Du sicher nicht verhungern und musst auch keine Meerschweinchen essen… 😉 LG, Eddy

  10. Hallo Eddy,
    hier sind ja Deine Tipps für Lima – klasse! So geht’s entweder spontan in der Bar oder doch mit etwas Vorlauf und Glück die ganzen x Gänge. Beides klingt absolut verlockend und absolut bezahlbar.
    Danke!!!
    Liebe Grüße
    Barbara

    • Eddy Harteneck

      Hallo Barbara, in der Tat wird man in Lima nicht arm, awenn man die besseren Lokale besucht… da könnten sich Zürich und London mal eine Scheibe abschneiden… 😉 LG, Eddy

  11. Oh ja, das böse Pizzaessen in Zürich… Viel schlimmer ist da eigentlich ein gutes Steak. Danke für den Tipp, ich gehe dann mal essen … 😉
    Liebe Grüße
    Jessica

    • Eddy Harteneck

      Hallo Jessica, Du hast natürlich Recht, ein Steak, Schnitzel oder Geschnetzeltes in Zürich haut noch mehr in die Reisekasse… aber wem sage ich das… guten Appetit, Eddy

  12. Pingback: Essen gehen in Lima – keine leichte Entscheidung | BONVIVANT @ WORK

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