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Vigo arbeitet, Santiago betet und La Coruña ? – mal schauen…

La Coruña tanzt! So besagt angeblich ein galizisches Sprichwort. Ich bin zwar nicht hier, das zu überprüfen, sondern eine Versicherungsagentur. Da diese aber auf Sommerbürozeit umgestellt hat, sollte genug Zeit verbleiben, den Wahrheitsgehalt dieses Spruches zu verifizieren. Im Sommer wird hier nur von 08:00 bis 15:00 gearbeitet, was für eine Wonne. Das harmoniert nicht nur mit der morgendlichen Konzentrationspanne sondern zufällig auch mit den Zeiten, ein gepflegtes Mittagsmahl einzunehmen.

Casa Calitxo

14:00 Uhr muß man sich auch in Nordspanien in keine Lokalität begeben. Folgerichtig sitzen wir erst gegen drei in der Casa Calitxo in Sta. Cruz, gleich außerhalb der Stadt, einem eher unscheinbaren, einfachen Lokal, daß es aber in sich hat. Wir, das ist diesmal ein Kollege und ich, sind vom Versicherungsagenten eingeladen, uns nach einem harten Montagmorgen zu stärken. Üblicherweise versuche ich, solche Einladungen zu vermeiden, allerdings möchten wir auch nicht unhöflich sein. Der Gastgeber offensichtlich ebensowenig. Unser Tisch auf der grünen Terrasse ist schon eingedeckt, zwei Flaschen Hauswein schon im Kühler neben dem Tisch. Das kann ja heiter werden…wurde es. Der ansprechenden Fischpastete folgt eine Mörderplatte zartester Zamburiñas, eine Art kleiner Jakobsmuschel, die in Nordspanien beheimatet ist. Der halbe Hummer á la plancha (also auf dem heißen Blech zubereitet) krönt das noch. Kein Firlefanz dabei, einfach nur frischer Hummer vom Meer, auf´s Blech in den Mund. Pfeffer, Salz, Hauch Knoblauch und fertig. Zum Abschluß dann noch ein ganzer Sargo aus dem Ofen. Ein Sargo ist eine Weißbrasse, der Dorade nicht unähnlich, etwas mehr Gräten und saftiges weisses Fleisch. Auch hier, wie bei allem was der Chef des Casa Calitxo aufgetischt hat, steht die Frische der Produkte im Vordergrund.

La Coruña

Ein solches Mahl schreit geradezu nach einem Spaziergang am Strand. Den könnte man am langen Stadtstrand von La Coruña vornehmen oder an einer Vielzahl von Stränden östlich der Stadt. Hier fällt allerdings die Wahl extrem schwer. Ähnlich der Gegend östlich der Stadt reiht sich eine hübsche Bucht an die andere. Auch hier weißer Sand, dunkelblaues sauberes Wasser eingerahmt vom üppigen Grün Nordspaniens. In Kriechweite vom Restaurant ist der Strand von Santa Cruz mit vorgelagertem Inselchen mit Burg, sehenswert ist auch die etwas längere Playa de Mera wenige Fahrminuten weiter. Hier dösen wir unseren Minirausch aus, um für die Nacht gewappnet zu sein. Schließlich wollen wir wissen, ob la Coruña wirklich tanzt.

Ich darf das Fazit vorwegnehmen: gut möglich. Wir sind hier nur Montag und Dienstag unterwegs und haben eher den Einduck, La Coruña isst! Und das weder zu knapp noch zu schlecht. Wenn man vom schnuckeligen Jachthafen in die Innenstadt läuft, vorbei an den berühmten Glasfassaden der dem Meer zugewandten Herrenhäuser – hier wurde früher im Fischfang viel Geld verdient, was heute noch sichtbar ist. Kann man sich also vom Anblick der weißen Fassaden aus Holz und noch mehr Glas trennen und begibt sich ins Gewirr der Gassen um den Hauptplatz namens Maria Pita, landet man unweigerlich in der Fressmeile der Stadt. Diese zieht sich vom Platz über die Ruas Franja, Galera, Olmos bis hin zur Estrella. Je weiter vom Platz desto lokaler, aber prinzipiell wird die Hafenstadt verschont von Horden Nordeuropäischen Touristen, die Schnitzel oder schales Bier in Pints suchen. Tapas Bars neben Cafés und Restaurants, Weinbars neben Bierschänken. Sich hier durchzuprobieren ist wenn nicht eine Lebensaufgabe, dann die eines Sommers, also konzentrieren wir uns auf das Wesentliche. Das ist natürlich Pulpo á la Gallega o á la Feira. Die hässlischen lila Kraken hängen oder liegen in jedem vierten Lokal in der Auslage oder köcheln gleich in großen Kupfertöpfen, sozusagen ready to eat. Die Pulpos, die laut Auskunft vor Ort natürlich nur in Galizien so schmecken wie sie schmecken sollen, nur hier ihr einzigartiges Aroma entfalten, müssen nach dem Fang für mindestens 48 Stunden tiefgefroren werden, bevor sie in den Topf kommen. Lecker sieht anders aus. Auf dem runden Holzbrett hingegen in Scheibchen geschnitten, mit gekochten Kartoffeln und scharfem Paprikapulver gewöhnt man sich an den Anblick und auch den Geschmack. Die Krake zergeht auf der Zunge und schmeckt am besten mit einem spritzigen Weissen Albariño.

Wer lieber Bier trinkt ist hier auch richtig, das hiesige Estrella Galizia ist fast nach deutschem Reinheitsgebot gebraut und etwas herber als der übliche spanische Stoff. Im El Priorato gibt es noch eine Handvoll Erdnüsse auf den Tisch. Einfach wegknuspern und die Schalen auf den Boden fegen. Zu den Erdnüssen kann auch Süsswein bestellt werden, der in sog. Porrones, kleinen Karaffen serviert wird, aus denen man sich den Traubensaft direkt in den Hals laufen lassen kann. Das Priorato hat sich seit bestimmt 50 Jahren nicht verändert, Dekor Marke Trinkhalle und heller Pressspantäfelung. Das türkische Klo ist voll funktionstüchtig und sauber, die zwei Arten Käse, die als Happen angeboten werden exzellente Ware.

Casa Vasca

Und zu guter Letzt noch ein Hinweis für denjenigen, der mit Fisch, auch wenn er direkt aus dem Meer auf den Teller springt nichts anfangen kann. Das Chuletón vom Rind, also Monsterkoteletts gibt es für zwei, drei oder mehr Personen in der Casa Vasca, gleich hinter dem Hauptplatz. Unspektakuläres Lokal für den etwas dickeren Geldbeutel. Das Fleisch ist wie erwartet vorzüglich und wird auf der heißen Platte direkt am Tisch je nach Gusto zubereitet. Das gibt es sicher auch anderswo in ähnlicher Qualität. Die Weinkarte allerdings ist ausgesucht und der Kellner mit Hang zu guten Tropfen, darf sich hier austoben. Es lohnt sich ein Blick in die Glasvitrine des Kühlraumes, da einzelne Flaschen nicht auf der Karte stehen und der kellnernde Sommelier mit Leidenschaft und kenntnisreich berät.

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