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Kaputt ist “in” – Ruin Bars in Budapest

Was zum Teufel ist ein Ruin Pub, hab ich mich gefragt, als mir der Besuch eines selbigen empfohlen wurde. Selbst im offiziellen Budapester Reiseblättchen werden die “Ruin Bars” als echter Geheimtip angepriesen. Obwohl das eigentlich ein Grund ist, sein Bierchen anderswo zu trinken, bin ich natürlich neugierig…

Kurz gesagt, eine Ruin Bar ist ein alternativer Schuppen, untergebracht in sonst nicht mehr genutzten Wohnhäusern. Angesichts der Scharen, die sich im Ausgehviertel hinter der großen Synagoge von Kneipe zu Pub bewegen, kann man nicht wirklich von einem Geheimtip sprechen. Sehenswert sind die Läden allemal. Ein Zeichen, daß, was früher alternativ, punkig, heruntergekommen (aber bitte schön stylisch abgefuckt) oder einfach nur kaputt war, heute Teil der Wertschöpfungskette ist. Traurig und lustig zugleich, dem durchtätowierten coolen Barkeeper zuzusehen, wie er Scharen amerikanischer und anderer Touristen bedienen darf, die so gar nicht alternativ wirken. Wie dem auch sei, Graffitis an den Wänden, Elektromüll, hängende Fahrräder, Möblierung Marke Sperrmüll, ist alles sehr nett anzusehen. Dazwischen der bunte Mix aus Wohlstandsbürgern die auf alternativ machen und Alternativen, die Geld machen. Denn das gibt´s hier wirklich zu verdienen. Die 3 Ruin Bars, die ich besuche, Szimpla Kert, Ellátó Kert oder Köleves Kert sind proppevoll, genauso wie der ein oder andere Besucher. Das Bier ist günstig, die Stimmung gut, das Publikum gemischt. Livemusik mischt sich mit Mucke vom Plattenteller, alles in allem eine ansprechende Abwechslung zu Hotelbar oder Irish Pub…Um richtig urige Budapester Kneipen kennenzulernen, fehlt leider die Zeit. Beim nächsten Mal vielleicht.

Street- und anderes Food

Wen der Kneipenbummel hungrig macht, der findet in der Kazincy ut. einen kleinen Streetfood Markt namens Karaván, will heißen Burger, Pizza und Pasta und irgendwas Asiatisches. Aber auch ein sehr leckeres Sandwich vom gezupften Schwein (aka pulled pork). Der Mann hinter dem heißen Blech von Mangalica Társai verrät, daß im Gegensatz zum Normaloburger, der gezupfte nicht vom Mangalitzaschwein ist. Wäre sonst zu teuer. Zum Fingerlecken auch das Eis am Stiel gleich am Eingang.

Wer allerdings richtig essen möchte und das mit Graffitis im Nacken, der geht in die Hegedüs Gyula und dort ins Laci Konyha. Ist meilenweit entfernt vom eben beschriebenen Viertel, mitten in einem Wohngebiet. Wenn man meint, sich verlaufen zu haben, steht man davor. Die Treppe neben dem grauen Schild führt ins Souterrain und dort in ein kleines spartanisch eingerichtetes Restaurant, in dem man garantiert sicher vor überwürztem Gulasch bzw. Pörkölt mit Eiergraupen ist. Hier wird eine Art ungarisch-international-asiatische Küche zelebriert, frische Zutaten, ansprechende Präsentation, Schwein und Gänseleber fehlen nicht, kommen aber leicht daher und mit einem Hauch Asien. Alles sehr gekonnt dargeboten vielleicht mit etwas zuviel Understatement. Beim dem Preisniveau darf die Speisekarte auch mehr als nur ein kopierter grüner Zettel sein. Sie passt aber letzten Endes zum Ambiente und vielleicht bin ich hier zu streng. Ist ja auch nicht leicht die Balance zu halten zwischen unprätentiös gut und gewollt anders. Die Weinkarte ist übrigens umfangreich, fast alles wird auch offen angeboten.

Wo wir gerade beim Essen sind und ich versuche den Bogen zum Marktessen zu schlagen: ein Besuch in der Markthalle in der Hold utca lohnt (Nähe Parlament, wieder ganz wo anders…) durchaus. Nicht so sehr wegen des untauglichen Versuches von Steamboo, asiatische mit ungarischer Küche zu vereinen (Apfel-Schimmelkäse-Cashew oder Pecorino-Lavendel-Weisse Schokolade auf Klebreis), sondern der Vielfalt wegen. Im Parterre frische Ware ohne das Geschiebe der zentralen Markthalle (trotzdem hingehen), oben eine ansehnliche Auswahl an gehobenem Imbiss. Vom Riesenschnitzel und typisch ungarisch bis zu asiatisch ohne Kreuzungsversuch, Italienisch, Fisch und Fleisch findet hier jeder etwas. Danach Richtung Parlament und etwas Süsses in einer Filiale von Szamos am Parlament und man ist gestärkt für eine Massage im Gellertbad oder das Nachmittagsschläfchen. Die Nusskipfel suchen Ihresgleichen und solche Pogatschen bekommt man auch nicht überall. Am besten schmeckt das salzige Hefegebäck z.B. mit fetten Grammeln zu einem Katerfrühstück nach einem Ruib-Bar Abend.

12 comments on “Kaputt ist “in” – Ruin Bars in Budapest

  1. Klingt echt gut! Andererseits aber auch wieder merkwürdig… Zum einen klingen die Bars echt symphatisch… billig Bier, gute Musik…. Zum anderen klingen die Besucher, die versuchen für einen Abend “alternativ” zu sein gar nicht mal so sympathisch… Es ist wie verkehrte Welt… In Deutschland sind eben jene Bars und Kneipen von denen gemieden und verpönnt, die sie in Budapest besuchen…

    • Eddy Harteneck

      Hallo Scarlet (oder Maja ?), in der Tat ist diese Bargegend in Budapest voller Touris und dort lungert sicher auch eine gehörige Anzahl an Leuten rum, wie Du sie beschreibst. Andererseits sind die Bars lustig und wenn man nicht gerade die 3 besucht, die in jedem Führer stehen, hast Du bestimmt Deinen Spaß… oder eben am Montag abhängen und nicht am Do/Fr mit amerikanischen Studis, die im Pulk kommen… nach dem 5 Bier ist eh alles egal…;-) Gruß, Eddy

  2. Oh wie cool! Ich muss zugeben, dass ich den Begriff “Ruin Pub” zum ersten Mal höre, finde aber dass es total spannend klingt. Das wäre voll nach meinem Geschmack. Für meinen nächsten Budapest Trip hab ich mir das auf alle Fälle nun notiert!

    Liebe Grüße,
    Michaela

    • Eddy Harteneck

      Moin Michaela, kannte den Begriff bis zu unserem Budapest Trip auch nicht… lustiges Konzept und allemal besser als schöne Altbauten völlig verkommen zu lassen… LG, Eddy

  3. Anfang Dezember geht es für uns nach Budapest. Ich habe mir deine Tipps gleich mal gespeichert und die Bars werden wir bestimmt aufsuchen. Die Markthalle stand schon in den todoes, jetzt werde ich aber deinen Tipp von Szamos noch dazufügen.
    Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den Trip.
    Danke für die Tipps, lieben Gruß
    Susanne

    • Eddy Harteneck

      Hallo Susanne, mein Neid wird mit Dir reisen… hat uns ausgesprochen gut gefallen in Budapest… und Dezember ist ja beste Thermenzeit. Waren im Gellert- sowie im Szechenyi Bad, letzteres ist insbesondere im Sommer zu empfehlen, von Innen hat mir das Gellert besser gefallen, beide nicht billig… wenn Du einen Tip für ein AirBnB benötigst, sag Bescheid, wir hatten eine nette Hütte unweit des Parlaments…LG, Eddy

  4. Lieber Eddy,

    die Ruin Bars kannte ich bislang noch nicht. Aber sie hören sich nicht gerade nach Bars an, die ich in Ungarn besuchen wollen würde. Für mich ist Ungarn tatsächlich ein Stück Heimat, weshalb mir diese Bars vermutlich umso fremder erscheinen.
    Dennoch ist es ein spannendes Konzept, was mich auf der anderen Seite wieder so neugierig macht, dass ich ihnen vielleicht doch einmal einen Besuch abstatten würde.
    Ich danke dir also für den Tipp. 😉

    Viele liebe Grüße
    Kathi

    • Eddy Harteneck

      Liebe Kathi, Du hast natürlich Recht… mit Ungarn hat das nichts zu tun, ist eher alternativ-international und wahrscheinlich schon zu sehr “gehypt”… wenn Du in Budapest aber Leute aus D, den USA oder China kennenlernen willst, ist es sicher einen Versuch wert… 😉 LG, Eddy

  5. Das hört sich mal verrückt an, ist bestimmt ein Konzept, was sich auch in anderen Großstädten durchsetzen wird. Ich merk es mir auf jeden Fall für unsere Budepast Reisen.

    • Eddy Harteneck

      Moin Nina, theoretisch schon, praktisch wird aber bei uns ja jedes alte Gemäuer entweder luxussaniert oder es kommt ein schicker Glas-und-Stahl-Palast dorthin…LG, Eddy

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