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Mein erstes Mal – Bloggertreffen im Schloßhotel Kronberg

„Schön daß Sie da sind! Wir haben ein Upgrade für Sie“… das ist Musik in meinen Ohren. Habe zwar keine Ahnung, was mich hier erwartet – im Schloßhotel Kronberg, dem Hessenschloß im Taunus. Aber Upgrade tönt aber schon mal gut.

Als Flughafenhotel ist der Unterschlupf zwar denkbar ungeeignet, zu weit weg, zu komfortabel, zu ruhig. Aber die Kombination aus Vormittagsflug nach Miami und Vorabend in der Luxusherberge bei Frankfurt war einfach zu verlockend.

Wer diese Seite verfolgt, weiß, daß ich ein Bloggerfrischling bin. Was liegt also näher, als ein Treffen dieser Spezies wahrzunehmen, zumal es sich vorzüglich mit einer Dienstreise verknüpfen läßt. Im Taunus war ich noch nie, neue Leute kennenlernen kann nicht schaden und eine Allergie gegen Annehmlichkeiten habe ich auch keine. Man gönnt sich ja sonst nichts. Also rein ins Vergnügen bzw. ins Muschelzimmer des Schloßhotel Kronberg. Die mir zugewiesene Kammer einer ehemaligen Prinzessin ist strategisch gelegen, unweit von Bar, Restaurant und am Ende eines Flures gut zu finden, falls es später werden sollte. Der Raum ein Traum und ich überlege mir ernsthaft, einfach hier drinnen zu bleiben. Die Deckenhöhe kann es locker mit unserem doppelstöckigen Reihenhaus aufnehmen und aufgeräumt ist es auch noch. Fenster zum Park, Minibar inklusive, schwierig nur die Entscheidung, sich auf´s Sofa oder das Kanapee zu fläzen. Ich entscheide mich für das Sofa, eine Zeitung und 10 Minuten Ruhe, bevor ich das Anwesen inspiziere.

Geschichte des Schloßhotel Kronberg

1888 – im Dreikaiserjahr also, wie jedes Kind einmal wusste – erwarb Victoria “Kaiserin Friedrich”, Gemahlin des nur 99 Tage regierenden Deutschen Kaisers Friedrich III das Gelände, auf dem heute das Schloßhotel Kronberg steht, auch bekannt als Schloß Friedrichshof. Für diejenigen, die mit Kaisern oder Jahreszahlen wenig am Hut haben: im gleichen Jahr regierten in Deutschland Kaiser Wilhelm I, der darauf folgende Friedrich III starb an Kehlkopfkrebs, kaum daß er den Thron bestiegen hatte. Der allseits bekannte Wilhelm II übernahm Zepter und Geschicke des Landes, welches sich seitdem spürbar verkleinert hat. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Kaiserwitwe, Victoria Prinzessin von England und Irland, Tochter von Queen Victoria und Albert von Sachsen-Coburg Gotha ließ das Anwesen im Tudorstil bauen, einer Art englischer Gotik. Wer wissen will, wie das aussieht, darf sich gerne selber im Schloßhotel Kronberg einmieten. (Man möge mir diese ignorante Verkürzung verzeihen, aber das hier ist schließlich kein Architekturblog…). Victoria jedenfalls bewies Geschmack bei Gestaltung und Einrichtung des Anwesens und ich bin sicher die Queen war very amused, sollte sie zu Besuch gewesen sein. Auskunft zu fast jedem Stück, den vielen Originalen in Aufenthaltsräumen wie Zimmern, zu den Dramen hinter den Türen, der Herren- und der Damentreppe, den Geheimgängen und der Kunst am und im Bau (deutsches Fachwerk, italienische Kamine, englische Fenster) kann der Haushistoriker des Schloßhotel Kronberg, Herr Dr. Jacobs geben. Die Hausführung durch den quirligsten mir bekannten Historiker ist alleine schon eine Nacht in kaiserlichen Federbetten wert.

Bloggertreffen im Schloßhotel Kronberg

Doch der Reihe nach. Nachdem ich mir gegen Ende meiner Runde durch das Schloß den Kiefer wieder eingerenkt habe, stelle ich fest: hätte ich mir sparen können. Denn kurz nach der Pflicht – Vorträge zu Luxus im Allgemeinen und Besonderen – kommen schon Champagner und Häppchen. Mit ihnen im Schlepptau der bereits erwähnte Dr. Hessenschloß (ach ja, bevor ich´s vergesse: nach dem Tod der Kaiserin ging die Hütte an deren jüngste Tochter Margarethe von Hessen, heute im Besitz der Hessischen Hausstiftung, seit den 50ern als Schloßhotel geführt).

Dieser führt uns nicht nur durch diverse Suiten (unter anderem in die von General Eisenhower, dem alten Besatzer) und Flure voller Historie. Nein. Wir bekommen unterwegs auch noch etwas zu Futtern. Da wäre zum Beispiel zweierlei rohes Rind mit Tomatentapioka, dazu ein herrlich würziger Spätburgunder aus dem Hause Prinz von Hessen, weit weniger leichtfüßig als seine badischen Brüder, die ich ab und an trinken muß. In der Kemenate des US Generals folgt ein Wildkräutersalat mit Passionsfruchttunke, lecker dazu der leicht liebliche Riesling Dachsstück. Aus demselben Hause wie der Rotwein, dem etwas Säure fehlt, zum Salat aber ganz passabel ist. In der Hotelküche des Schloßhotel Kronberg geht es weiter. Spannend zu beobachten, mit welcher Konzentration, fast schon chirurgisch, zwischem blitzblankem Küchenstahl gearbeitet wird. Da sitzt jeder Griff und der Chef legt höchstpersönlich Hand an die Happen von gegrilltem Pulpo und anderen Köstlichkeiten. Eigentlich bin ich jetzt schon satt und halbvoll sowieso, der Weinkeller macht´s möglich… vorher noch ein paar Geschichten in und um die Bibliothek der Kaiserin, die offensichtlich sehr belesen war. Zu den Geschichten gibt´s den Nachtisch, bevor der Weinkeller aufgesucht wird. Hier hätte ich mich gerne einschließen lassen – Muschelzimmer hin oder her. Aber der Sommelier wacht über seine Flaschen wie Zerberus über den Hades, also nasche ich etwas von dem dargebotenen Stilton nebst Portwein. Man kann einen gelungenen Abend auch schlechter abschließen…

Fazit: nicht von schlechten Kaisern. Das Schloßhotel Kronberg ist ganz schwer zu empfehlen. Angenehm an diesem Ort ist, daß die Annehmlichkeiten des Grand Hotels mit einer Leichtigkeit daher kommen, die man in dieser Kategorie nicht oft findet. Der Service ist aufmerksam und präsent ohne aufdringlich zu sein. Kurzum, ich habe mich rundum wohlgefühlt. Selbst der Preis stimmt. In so mancher Pension in Zürich oder angeblichem Designhotel in London läßt man mehr Flocken als auf Schloß Friedichshof. Ich komme garantiert wieder.

Einziger Kritikpunkt: meine Mitblogger hätten beim Absacker an der lauschigen Bar (juchuuhh man darf Zigarre rauchen !!!) auch mal für fünf Minuten die Finger vom Smartfon lassen können. Schließlich genießt man mit den eigenen Sinnen besser als durch die Linse…

Information zum Schloßhotel Kronberg

Das Schloßhotel Kronberg eignet sich wegen seiner guten Küche eindeutig für Foodies, Flitterwöchner, zur Entspannung, für Golfer, Freunde gut gepflegter alter Gemäuer.

Positiv:

  • ruhige Lage und absolut gediegenes Ambiente
  • wunderschöne Zimmer teilweise mit Antiquitäten ausgestattet
  • excellenter Service
  • gute Küche
  • Rauchen in der Bar

Negativ:

  • etwas ab vom Schuß
  • kein Spa (Stichwort Denkmalschutz)

Was sonst noch:

Mitglied im Verbund der Small Luxury Hotels of The World, wie beispielsweise auch das American Trade Hotel Panama, obwohl beide Schuppen unterschiedlicher nicht sein könnten.

 

 

3 comments on “Mein erstes Mal – Bloggertreffen im Schloßhotel Kronberg

  1. Oje. Ich gestehe. Ich war auch eine der Smartphonesüchtigen an der Bar. Ein toller Bericht! Und wie du die Speisen beschrieben hast – jetzt hab ich Hunger bekommen!

    Gruss Janett

    • Eddy Harteneck

      Liebe Janett, danke für die Blumen…hoffe bei Eurem Treffen in Köln geht es kulinarisch ebenso zur Sache, bin leider unterwegs… Bis bald, Eddy

  2. Pingback: American Trade Hotel Panama | BONVIVANT @ WORK

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