Lateinamerika Travel

Panama City ? Was zum Teufel soll ich denn dort… ?

Panama Kanal

Scheiß Jetlag… Es ist 5 Uhr frühmorgens und ich stehe mal wieder senkrecht im Bett. Und das, obwohl ich gestern fleißig Rum und argentinischem Rotwein zugesprochen habe. Ein ordentlicher Rausch ist für mich immer noch das beste Mittel, spät ins Bett und noch später aus den Federn zu kommen.

Hat diesmal leider nicht geklappt. Wie dem auch sei, jetzt bin ich wach und habe einen Tag Panama City vor mir. Da der Aufenthalt aus der Not geboren ist – Zwischenstop auf dem Weg nach Lima – habe ich keine Ahnung was tun in Panama Stadt. Außer natürlich den wenigen Geschäftsterminen, die ich mir verordnet habe. Mein erstes “date” ist um 09:30, ich habe also noch etwas Zeit. Nur an weiterdösen ist nicht zu denken. Von draußen dringt das Erwachen der Stadt in mein luxuriöses Schlafgemach im American Trade Hotel Panama, es wird ein heißer Tag werden. Also warum nicht die angenehme Temperatur der aufgehenden Sonne nutzen und Joggen, bevor ich mich meinen Terminen sowie den Sehenswürdigkeiten Panamas zuwende.

Jogging auf der Cinta Costera
Guten Morgen Panama

Was tun in Pamama City ? – Morgens auf die Cinta Costera !

Vom Zentrum der Altstadt – dazu später mehr – sind es nur ein paar Blocks zur Cinta Costera, zu deutsch: Küstenring. Streng genommen keine Sehenswürdigkeit Panamas, sondern eine schnöde Ringstrasse, die über Wasser einen Bogen um das gesamte Casco Viejo zieht. Das Allerbeste: neben dieser Schnellstrasse bedindet sich ein geschützter Fuß- und Radweg vom allerfeinsten. Ich bin auch nicht der Erste, der hier entlangtrabt. Es sind schon einige unterwegs, um sich das Bier des Vorabends abzutrainieren.

Die Sportlerroute ist nicht nur sauber sondern auch schön angelegt, Bänke unter Bougainville laden zum Ausruhen oder zu einem Plausch ein. Auf einem Drittel der Strecke Aussichtsplattformen zur Altstadt hin. Auf der anderen Seite der immer stärker befahrenen Strasse die unwirkliche Skyline des Finanzzentrums.

Ein herrlicher Kontrast. Rechter Hand eröffnet sich dem Läufer oder Spaziergänger der Anblick des kolonialen Zentrums, Präsidentenpalast, rot geziegelte Dächer auf weissen Häusern, die von wenigen Kirchtürmen überragt werden. Dat janze eingerahmt von grünen Hügeln des Hinterlandes.

Kaum unterschiedlicher der Blick auf die andere Seite der Cinta Costera. Imposant reckt sich ein Büroturm neben dem anderen in die Höhe. Die Skyline von Frankfurt ist ein schlechter Scherz gegenüber der Bankenmetropole Zentralamerikas. Auch das ein oder andere architektonische Experiment lässt sich blicken, die Fenster glitzern in der aufgehenden Sonne. Davor das spiegelglatte Meer, Leben nur auf der Autopista. Und natürlich im Hafen, den ich auf dem Rückweg passiere. Die Kutter sind schon lange wieder drinnen, von Ferne ist aber zu erkennen, daß der Tag noch lange nicht zu Ende ist. Gleich neben dem sehr kleinen Fischerhafen der Markt. Werde ich später inspizieren.

Einheimische
Käffchen gefällig… ?

Was tun in Panama City ? – Nach dem Frühstück an den Kanal !

Um auch zwischen den Terminen flexibel zu sein und von Panama Sehenswürdigkeiten mitzunehmen, frage ich den Taxifahrer, der mich zu meinem ersten Termin fährt, ob er denn auch tageweise zu mieten sei. Ist er. Für 50.- Dollar (neben dem Balboa die Währung hier) kutschiert er mich einen halben Tag durch den heftigen Verkehr und macht auch noch den Reiseführer. Kann jedem, der hier aufschlägt, nur empfehlen, sich einen Fahrer zu leisten. Mit um die 10 USD die Stunde (mal mehr, mal weniger) sollte gerechnet werden.

Ein Ort, an den mich mein Begleiter bringen soll, ist der sagenumwobene, legendäre und an Großartigkeit kaum zu überbietende Panama Kanal.

Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Gründe, den Panama Kanal zu besichtigen: man ist Kanal, Schiffs- bzw. Sonstwie-Freak… oder man ist nunmal in Panama City gestrandet und schaut sich das Bauwerk deswegen an. Wer will sich schon als Kanalbanause outen und hören “Was ? Du warst in Panama City und hast Dir nicht den….” undsoweiterundsofort. Ich gehöre zur zweiten Gruppe und kann nun sagen: ist ein Kanal, der Kanal. Durchaus interessant mit Museum auf vier Stockwerken, einer großen Aussichtsplattform und Cafetería. Gibt auch ein Restaurant mit Mindestverzehr, was sicher eine Alternative ist, wenn man seiner Reisegruppe entkommen will und nicht 3 Stunden auf dem Balkon stehen und Schiffchen gucken. Dafür muß man USD 42.- blechen, was ich mir gerade noch verkneifen kann, die 15.- USD Eintritt für das Besuchszentrum mit Museum muß für den Mittag reichen.

Was tun in Panama City ? – Mittags Fischmarkt

Eine Alternative zum Lunch am Kanal und weiterer Touristenmagnet wäre der Mercado de Mariscos vor den Toren der Altstadt. Kulinarische Höhenflüge darf man hier nicht erwarten, ist aber ein sehr lebendiges Fleckchen. Im Inneren ein kleiner Markt mit frischem Fisch und Meeresfrüchten, was nicht unbedingt Appetit macht. Ich habe mich nach der Begehung jedenfalls gegen (rohes) Ceviche und für ein gegrilltes Stück Fisch entschieden. Um den Markt herum eine Menge Restaurants, will heißen Imbissbuden die Fisch braten, davor bunte Tische und Stühle sowie fleissige Aufreisser, die einem die Karte des jeweiligen Standes schmackhaft machen wollen. Ich denke, es ist einerlei, wohin man sich  setzt. Einen halbwegs frischen Fisch mit Reis und Salat dürfte es überall geben. Für Beschallung ist auch gesorgt, alles in allem ein sehenswerter Ort.

Fischmarkt
toter Fisch mit Beilage

Was tun in Panama City ? – Abends durch die Altstadt !

Am meisten jedoch hat mir das Casco Viejo gefallen. Eine Landzunge, welche die wirklich sehenswerte Altstadt von Panama Stadt beherbergt. Nicht groß und in ein paar Stunden abzulaufen aber voller Charme.

Altstadt
Bier mit Ausblick

Weiß getünchte Kolonialbauten, das ein oder andere Gebäude ein bunter Tupfen, rote Dächer, kleine Kirchen, schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster und all das umgeben von einer dicken Mauer, die der Stadt das Meer vom Leibe hält. Natürlich ist es hier “touristisch” und natürlich gibt es Strassen, in denen sich Souvenirläden mit Tourilokalen abwechseln.

Wenn man sich aber die Mühe macht, auch durch die Seitengassen zu schlendern, sieht man die Seite der Altstadt Panamas, die noch Patina hat. Die Seite, die noch nicht für Touristen hergerichtet wurde. Einfache Leute sitzen vor ihren Wohnungen, der Blick ist freigegeben in das Innerste. Zeitungsverkäufer an der Ecke, Polizisten, die in der Abendsonne dösen oder die nette Schwarze, die Kaffee aus ihrem Einkaufswagen anbietet. Es hat etwas von Havanna, bzw. wie man sich Havanna so vorstellt. War ja noch nicht da.

Überhaupt kommt mir Panama City wie eine Mischung aus Miami und der kubanischen Metropole vor. Hier die Überreste der guten alten Zeit, dort die zukünftigen Überreste der Neuzeit. So schick die Shoppingmalls in der Edelecke Panamas auch sein mögen, mir gefällt es im Casco Viejo deutlich besser. Tourismus hin oder her… Ich empfehle, möglichst bald dorthin zu reisen, denn in Kürze wird die Patina weggefegt sein und die Altstadt Panamas ein Museumsdorf. Fluch und Segen des Tourismus liegen nahe beieinander. Aber das ist ein anderes Thema…

Was geht sonst in Panama City ?

Wer Zeit hat, kann noch durch einen Ruinenpark des Panama La Vieja schlendern. Überbleibsel des vorkolonialen Panama der Piratenzeit. Von einem Turm in mitten der Ausgrabungsstätte hat man einen guten Blick auf die Stadt und in die Mangrovenwälder an der Küste.

Wer noch mehr Zeit hat, könnte sich für das Biomuseo interessieren. Kann dazu nichts sagen, von außen ist es jedenfalls schön bunt.

Ach ja, die kulinarischen Tips dürfen auch nicht fehlen. Gleich vorweg, Panama City ist teuer – für zentralamerikanische Verhältnisse. Gezahlt wird in Dollar und das nicht zu knapp. Ein Espresso in der Altstadt kann gerne mit 3.- USD zu Buche schlagen, ein Bier mit 5.- oder mehr. Ich habe es auch geschafft ein – vermeintliches – Spitzenrestaurant zu finden namens Donde José, das für 8 Gänge USD 75.- aufruft und USD 14.- aufwärts für ein Gläschen Wein. Dafür haben die auch griechischen Traubensaft auf der Karte und nur 4 Tische mit ebensovielen Kellnern. Der Chef erklärt jeden Gang persönlich und es war streckenweise auch lecker. Gut für ein romantisches Dinner für zwei, wenn das Ambiente und nicht das Kulinarsiche im Vordergrund stehen soll.

Taquería
Tacos und mehr im Casco Viejo Panama

Ausgezeichnet schmeckt es dafür in der Taquería La Neta. Unpretentiös in einem Innenhof des Casco Viejo. Billardzimmer vorhanden und ein Tattooladen im gleichen Komplex, für diejenigen, die nach ein paar Margaritas mutig werden. Empfehle die Margarita mit Maracuja, Koriander und Jalapeno (USd 7.-), dazu gibt es drei Tacos für schlappe 10.- amerikanische Flocken. Zum Beispiel Spanferkel mit Chili und Guacamole oder Chorizo mit geschmolzenem Käse, Koriander und Zwiebel. Fisch und Huhn für Vegetarier hat die Taquería auch im Angebot.

Freunde der Flüssignahrung bekommen ein Craft Beer im Rana Dorada (goldener Frosch) am Eingang des Casco Viejo oder eine breite Auswahl an Importbieren auf der Dachterasse des Schuppens gleich gegenüber dem American Trade Hotel.

Gute Reise !

Hier nochmal die Top 6 Sehenswürdigkeiten Panama City sowie weiterführende Links:

  1. Altstadt
  2. Panama Kanal
  3. Fischmarkt
  4. Cinta Costera
  5. Panama La Vieja
  6. Biomuseo

Hotel:

American Trade Hotel sowie der dazugehörige Erfahrungsbericht

Essen & Trinken:

Fischmarkt, Donde José, Taquería La Neta, La Rana Dorada

Weiterführende Blogartikel:

Panama hat natürlich weit mehr zu bieten als den Moloch Panama City. Einen schönen Überblick mit tollen Fotos findest Du bei Lensandfeather.

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Mein Weltbuch

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21 comments on “Panama City ? Was zum Teufel soll ich denn dort… ?

  1. Kulinarisch bist du ja wirklich sehr unerschrocken stelle ich immer wieder neidlos fest. Der tote Fisch auf dem Bild sieht sehr merkwürdig aus…was ist das für einer? Oder ist dir sowas egal, Fisch ist Fisch?

    VG, Anneli

    • Eddy Harteneck

      Moin Anneli, das war der Fisch meines Fahrers, der wohl die Fritteuse nicht so gut vertragen hat. War ein gängiger Fisch, dessen Namen ich vergessen habe. Sieht auf dem Bild vielleicht wilder aus als auf dem Teller… probiere in der Tat gerne Neues aus, habe da aber auch meine Schmerzgrenze. Zungenwurst z.B. oder Hirn oder Euter oder Schnecken… LG, Eddy

  2. Das hört sich aber sehr aktiv an: erst zu viel Rum und Rotwein, dann mit Jetlag Joggen und zwischen den Geschäftsterminen die Stadt erkunden… Respekt! Aber es scheint sich gelohnt zu haben. Zumindest vermittelt das dein recht vielfältiger Blick zurück auf Panama City. Mir gefallen Altstädte auch meistens besser als neue Bauten. Toursimus – Fluch oder Segen… ja, es liegt manchmal sehr nah beieinander…
    Viele Grüße,
    Kuno

    • Eddy Harteneck

      Moin Kuno, man gönnt sich ja sonst nichts… auf der Couch kann ich in ein paar Jahren auch noch sitzen…;-) LG, Eddy

  3. Nun ja, essen auf jeden Fall! Vorausgesetzt das Geld geht dir nicht aus, das sind ja gepfefferte Preise.
    Liebe Grüße
    Jessica

    • Eddy Harteneck

      Moin Jessica, auch ausserhalb der Speisezeiten ist Panama interessant…was die Preise angeht: das ist der Vorteil bei Geschäftsreisen, geht (fast) alles auf Spesen… 😉 LG, Eddy

  4. Lieber Eddy,

    wahnsinn… manchmal gibt es einfach Artikel, die ein paar Fotos enthalten, bei denen ich sofort Fernweh kriege. Dieser ist so einer. Danke dafür. 🙂
    Darüber hinaus ist er auch noch großartig geschrieben.

    Viele liebe Grüße
    Kathi

    • Eddy Harteneck

      Liebe Kathi, danke für die Blumen… hoffe Dein Fernweh wird alsbald kuriert und kommt dann in regelmäßigen Abständen wieder…LG, Eddy

  5. Hallo Eddy,

    ja, so ist es oft mit den touristischen Pfaden: weicht man ein paar Meter davon ab, hat man plötzlich die Gassen für sich allein. Der Tourist als solcher ist halt ein Herdentier 😉

    LG
    Gina

    • Eddy Harteneck

      Du sagst es Gina. Und deshalb bin ich auch guter Dinge, das wir auch in Jahrzehnten noch leere Seitenstrassen finden… LG, Eddy

  6. Du scheinst ja wirklich jede Menge Energie zu haben! Vor allem nach einer Rotwein und Rum-Nacht joggen und dann quer durch die Stadt – Hut ab. Panama City sieht den Bildern nach wirklich toll aus!
    Liebe Grüße aus Peru

    • Eddy Harteneck

      Hallo Michaela, was natürlich auch zur Energie beiträgt, ist eine gesunde Prise Neugier und die Zeit im Nacken, da ich ja nicht lange in Panama war… Noch viel Spaß in Peru und beste Grüße, Eddy

  7. Hey Eddy,
    nach dem Lesen deines Artikels schwanke ich zwischen “naja er war da und hat das beste daraus gemacht” und “will ich da hin?”. So richtig begeistert klingt anders.
    Aber den Kanal würde ich dennoch gerne sehen und vielleicht sogar durchfahren. Auch wenn es “nur” ein Kanal ist 😉
    Lieben Gruß, Susanne

    • Eddy Harteneck

      Moin Susanne, Dein Eindruck täuscht nicht, beides ist richtig….auf jeden Fall hin, aber nicht nur für die Stadt, entweder Stopover oder weiter auf die San Blas Inseln und Kolumbien… mit einem Kreuzfahrtschiff durch den Kanal ist natürlich auch eine Alternative… LG, Eddy

  8. Wow, ich bin beeindruckt, was Du in Panama alles an einem Tag geschafft hast!
    Casco Viejo hat mir auch bei weitem besser gefallen, als das moderne Stadtzentrum, wobei natürlich beides seinen Reiz hat. Leider muss ich dir was den Fluch und Segen des Tourismus angeht auch zustimmen, aber das trifft ja vermutlich auf die ganze Welt zu …
    Liebe Grüße,
    Jessi

    • Eddy Harteneck

      Moin Jessi, in der Tat hat beides seinen Reiz und gerade der Kontrast ist das Interessante an dieser Stadt… LG, Eddy

  9. Hi Eddy! Ich mag deine Artikel und deinen Schreibstil total gerne 😉 Nun ja, so richtig begeistert bin ich nun von Panama nicht, wenn ich deine Ausführungen so lese. Sollte ich mal einen Stopover dort haben, dann wüsste ich nun zumindest, was man alles so anstellen könnte. Extra für einen Urlaub muss ich da nun aber vermutlich nicht hin, da gibt es sicherlich schönere Ecken auf der Welt 😉 LG aus Kärnten, Anita

    • Eddy Harteneck

      Moin Anita, du hast es erfasst. Da gibt es Spannenderes… Janosch mit seinem “Oh wie schön ist Panama” hat uns jahrzehntelang belogen 😉 Da allerdings viele Flüge nach Südamerika in Panama Halt machen, lohnt sich die Überlegung, statt 3-5 Stunden Aufenthalt im Flughafen eine Nacht in Panama dranzuhängen… ab einem Aufenthalt von 5 h sollte man zumindest Kanal und Altstadt besuchen können… Gruß nach Kärnten, Eddy

  10. Hehe, wusste jetzt auch nicht, ob ich weinen oder lachen soll. Einerseits klingt Panama nun wirklich nicht so spannend, dass ich einen stundenlangen Flug auf mich nehmen wollen würde, andererseits habe ich mich gekringelt bei deinen Erlebnissen. Zu schön geschrieben, ich mag deinen Stil. 😀 Den Fisch fand ich auch gruselig, aber gut, hoffentlich hat er wenigstens geschmeckt. 😉

    LG Daniela

    • Eddy Harteneck

      Hallo Daniela, danke für den lieben Kommentar… was den Fisch angeht: den hat der Taxifahrer gegessen… war aber fotogener als mein Filet… 😉 LG, Eddy

  11. Pingback: American Trade Hotel Panama | BONVIVANT @ WORK

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